Phaceliahonig – ein invasiver Honig?

Die Phacelia und ihr Honig gibt es noch nicht lange in Deutschland.

Entdecke diesen einmaligen Honig, der Seinesgleichen sucht. Erfahre mehr über die Phacelia, das „Büschelschön“ und warum nicht nur Bienen bei den weitläufigen, blau-violetten Feldern ins Schwärmen geraten.

Der neue Bienenfreund

Ein exotischer Duft liegt in der Luft und versüßt so manchem Menschen den sommerlichen Sparziergang durch Felder, Wiesen und Auen. Der angenehme Geruch stammt aus einem Urwalddickicht aus blau-violetten Blüten – es sind nicht die Lavendelfelder der Provence, welche die Wanderer mit ihrer Farbenpracht und Gerüche verzaubern. Der Name des exotischen Gewächses ist Phacelia, im Volksmund auch Bienenfreund oder Büschelschön genannt. Der Name leitet sich vom griechischen Wort „phakelos“ ab, was im Deutschen so viel heißt wie „Büschel“. Die Pflanze zählt in Europa zu den Neophyten, weil sie sich in Gebiete angesiedelt hat, in welchen sie zuvor nicht heimisch war. Denn ursprünglich stammt das Büschelschön aus dem Südwesten Nordamerikas und wurde vor über 100 Jahren von Seefahrern nach Europa eingeschleppt. Anfangs war die Phacelia, dank ihrer bunten Blüten und ihres angenehmen Geruchs, nur eine Zierpflanze in Gärten oder Wohnzimmern. In Deutschland ist sie in freier Natur nur selten zu finden, denn die Phacelia ist nicht winterhart und kann sich somit im evolutionären Kampf der Pflanzenarten nicht durchsetzen.

Phacelia als Nutzpflanze

Schon bald erkannte man ihren Wert als Bienenweide, was ihr den Beinamen „Bienenfreund“ einbrachte. Doch nicht nur unter Imkern gewann sie in den 80er und 90er Jahren an Bedeutung. Besonders in der Landwirtschaft wurde sie im Rahmen eines Programms zur Förderung der Grünbrachen eingesetzt, hat aber in letzter Zeit wieder an Bedeutung verloren. Die Phacelia ist eine sehr anspruchslose Pflanze, die auch auf mageren Böden gedeiht. Sie übersteht problemlos Trockenperioden und gilt als gute Zwischenfrucht und Futterpflanze. Die Bodenfruchtbarkeit wird durch die Phacelia gefördert, weil sie die Bindung von Nährstoffen im Erdreich fördert. Des Weiteren bedeckt die kleine Pflanze mit ihren zahlreichen Ausläufern schnell den ganzen Boden eines brachliegenden Feldes. Unerwünschte Pflanzen und Unkraut bekommen kein Licht, da durch die dichte Bodenbedeckung die Lichtdurchdringung gemindert wird. Dank dieser Eigenschaften hat die Phacelia in der Landwirtschaft und somit auch in der Imkerei an Bedeutung gewonnen, auch wenn in Deutschland nicht viele Felder mit ihr bewirtschaftet werden. Schuld ist wohl die schnelle und unmittelbar aufeinander aufbauende Fruchtfolge unserer intensiven Landwirtschaft. Besonders günstig erweist sich die Phacelia in Fruchtfolge mit Zuckerrüben, da das Büschelschön eine hemmende Wirkung auf Schädlinge der Rüben besitzt.

Ein exotischer Duft betört die Bienen

Manchen Imker könnte es überraschen, wenn seine fliegenden Schützlinge plötzlich mit violetten Pollenhöschen daherkommen. Denn die Phacelia ist nicht überall in Deutschland als Trachtpflanze bekannt. Für die Bienen ist das besonders schade, denn das Büschelschön hat einen ähnlich hohen Nektar- und Pollenertrag wie Raps. Nur der Anflug und das Nektarsammeln gestalten sich für die kleinen Flugkünstler etwas schwierig. Denn der zuckersüße Nektar befindet sich sehr tief in der Blüte, was die Bienen zu regelrechten Minenarbeitern macht. Sie kriechen tief in den Nektarkelch hinein und verlieren bei diesem Vorgang sogar teilweise ihr Haarkleid, was bereits so manchen Imker in Sorge versetzte. Denn es kommt den Bienenhaltern oft so vor, als würde sein Volk an der Schwarzsucht leiden. Doch die Bienen können nichts dafür – die Pflanze hat sie mit ihrem betörenden Duft verzaubert und veranlasst sie zu diesem lohnenden Kraftakt. Nicht nur die emsigen Sammlerinnen lassen sich von dem Geruch der Phacelia verzaubern, auch Schmetterlinge, Hummeln oder Schwebfliegen können sich seiner nicht entziehen und laben sich an der Vielzahl von violetten Blüten. Während der drei bis vier Wochen andauernden Blütezeit stellen die Bienen durch harte Arbeit einen einzigartigen Honig her.

Phaceliahonig eine exotische Verführung „Made in Germany“

Phaceliahonig mag nicht jedem ein geläufiger Begriff sein. Denn diese Honigsorte ist vergleichsweise neu, doch auch für erfahrenere Honigfreunde lohnt es sich diesen Honig zu verkosten. Denn der Honig der Phacelia besitzt einen sehr exotischen Geruch. So kann es schon einmal passieren, dass der anmutige Duft des Honigs nicht nur die Honigbienen verzaubert und ein Honigglas des kostbaren Naturguts nur wenige Tage überdauert. Phaceliahonig besticht besonders durch sein exotisch-blumiges Aroma, das Seinesgleichen sucht. Die Farbe ähnelt der des Rapshonigs und variiert von weißlich bis hellbeige. Da Phaceliahonig einen hohen Anteil an Traubenzucker (Glukose) enthält, kristallisiert dieser Honig binnen vier bis fünf Wochen aus und sollte daher vor dem Verkauf vom Imker cremig gerührt werden. Alles in allem handelt es sich beim Honig der Phacelia um eine relativ neue Honigsorte, bei der sich auf jeden Fall ein persönlicher Test lohnt!

summ summ ...