„Rettet die Bienen” – Ein Volksbegehren für die Artenvielfalt

Bienen und andere Insekten sind für Pflanzen und somit auch den Menschen überlebensnotwendig. Dennoch werden noch keine ausreichenden Schritte unternommen, um ihrem Aussterben entgegenzuwirken und so ihren Erhalt zu unterstützen. Der Insektenbestand ist mittlerweile um 75 % zurückgegangen, viele Käfer und Schmetterlinge sind bereits ausgestorben.

In Bayern könnte sich das schon bald ändern: Unter dem Motto „Rettet die Bienen” wurde das Volksbegehren Artenvielfalt ins Leben gerufen. Getragen wird das Begehren durch die Ökologisch-Demokratische Partei Bayern (ödp), den Landesbund für Vogelschutz (LBV) und das Bündnis 90/Die Grünen. Zusätzlich unterstützen rund 100 Bündnispartner, so auch nearBees, das Vorhaben.

Deutschland hinkt im Naturschutz hinterher

Im Vergleich zu anderen EU-Ländern hat Deutschland sich bisher kaum für den Naturschutz hervorgetan. Gerade Bayern ist aber durch die intensive Arbeit in der Landwirtschaft auf eine gesunde Natur und die Insekten angewiesen. Mit Hilfe des Volksbegehrens soll deshalb das bayerische Naturschutzgesetz geändert und die Politik rechtlich zu Handlungen zur Förderung ökologischer Vielfalt verpflichtet werden. Doch wie sehen die Forderungen des Aktionsbündnisses aus?

Die konventionelle Bewirtschaftung von Ackerflächen stellt eine der größten Bedrohungen für Insekten dar. Aus diesem Grund soll die ökologische Landwirtschaft stärker ausgebaut werden. Die ÖDP fordert bis 2030 eine Steigerung der ökologisch bewirtschafteten Nutzflächen auf 30 %, schon 2020 soll mit dem Ausbau begonnen werden. Aufgrund der Vorbildfunktion des bayerischen Staates wird zudem eine Umstellung aller staatlichen Agrar- und Forstflächen auf eine ökologische Bewirtschaftung und nachhaltige Nutzung gefordert. Auch die Verwendung von Pestiziden als “Pflanzenschutz” bedroht viele Tierarten. Eine Einschränkung dieser Giftstoffe steht deshalb ebenfalls im Sinne des Bündnisses.

Hecken oder kleine Gewässer werden oft durch den Menschen beseitigt, dadurch haben viele Tiere nur noch abgeschnittene Flächen zur Verfügung oder verlieren ihren natürlichen Lebensraum vollkommen. Der Erhalt und die Wiederverbindung von tierischen Lebensräumen ist deshalb eindeutiger Bestandteil der Forderungen.

Vor allem Bienen finden oft keine Blühwiesen mehr, in welchen sie Nektar und Pollen sammeln können. Dies lässt sich erneut auf die intensive Landwirtschaft zurückführen: Riesige Monokulturen bieten den Bienen und anderen Insekten nur zeitweise Nahrung, denn nach der Ernte bleiben oft keine Pflanzen zurück. Blühende Rasenstreifen am Rand der Äcker sind deshalb notwendig, um die Insekten mit Nahrung zu versorgen – und so auch ihre Bestäubungsleistung zu unterstützen.

Wichtig ist außerdem, dass die Lehrpläne landwirtschaftlicher Ausbildungen angepasst werden. Die Aufnahme von Naturschutzthemen in den Unterricht soll Auszubildende für Themen rund um Nachhaltigkeit sensibilisieren.

Allgemein wird die Transparenz aller Tätigkeiten zum Thema Artenvielfalt und Naturschutz gefordert. Ein jährlicher Bericht zu den Entwicklungen soll die Bürger über die Umsetzung der ökologischen Ziele informieren.

Biene sammelt Nektar

Jede Stimme zählt – aber nur im Rathaus

Das Volksbegehren ist bereits der zweite Schritt zu einem neuen Naturschutzgesetz. Schon im letzten Jahr wurden fast 100.000 Unterschriften gesammelt, um eine Zulassung des Verfahrens zu ermöglich. Im Gegensatz zu einer Petition, welche vorwiegend Aufmerksamkeit für aktuelle Probleme wecken soll und rechtlich nicht bindend ist, handelt es sich bei einem Volksbegehren um ein Instrument der direkten Demokratie: Die Bürger haben  damit die Möglichkeit, direkten Einfluss auf die Gesetzgebung zu nehmen. Diese Form der Beteiligung ist nur in manchen deutschen Bundesländern möglich. Ein Klick im Internet ist dafür aber nicht ausreichend, Du musst schon den Weg ins Rathaus finden!

10% der bayerischen Wähler, etwa 1 Million stimmberechtigte Bürger, müssen sich zwischen dem 31. Januar und dem 13. Februar in den Rathäusern eintragen, damit das Volksbegehren Artenvielfalt Erfolg haben kann. Innerhalb dieser zwei Wochen hat jeder wahlberechtigte Bayer die Möglichkeit, sich in die Liste des Volksbegehrens einzutragen und das Vorhaben so zu unterstützen. Die Eintragung ist nur persönlich und unter Vorlage eines gültigen Personalausweises im zuständigen Rathaus möglich.

Werden ausreichend Stimmen erreicht, so wird die bayerische Politik verbindlich dazu verpflichtet, Schritte zur Förderung des Naturschutzes zu unternehmen. Bayern ist dann in Deutschland ein Vorreiter im Kampf gegen das Artensterben und setzt ein klares Signal gegenüber den anderen Bundesländern und dem Rest Europas.

Fleißige Helfer für eine vielfältige Natur

Hinter den Bienen steckt viel mehr als nur leckerer Honig. 80 % unserer heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf Bienen und andere Insekten als Bestäuber angewiesen. Ein Fehlen dieser Bestäubungsleistung würde nicht nur zum Sinken landwirtschaftlicher Erträge führen, sondern auch den Erhalt der biologischen Artenvielfalt langfristig bedrohen.

Um so erschreckender sind die Zahlen: Über die Hälfte der Bienenarten ist bedroht oder sogar bereits ausgestorben. Insgesamt hat sich die Anzahl der Insekten in Deutschland um 75 % verringert, 73 % aller Tagfalterarten sind verschwunden. Ursache für das Artensterben ist in erster Linie die intensive Landwirtschaft. Natürliche Lebensräume der Tiere werden entfernt und Pestizide als Pflanzenschutzmittel vergiften viele Insekten. Wie weit die Konsequenzen reichen, ist heute schon erkennbar: Viele Pflanzen können bisher jedes Jahr aufs Neue wachsen, weil sie von Bienen und anderen Insekten bestäubt werden; bleibt die Bestäubung aus, können sie nicht überleben. Insekten sind außerdem die Nahrungsgrundlage vieler Vögel. Laut dem LBV ist die Anzahl der Vögel in Bayern in den letzten 30 Jahren um 50 % gesunken. Mit der Änderung des Naturschutzgesetzes kann ein erster wichtiger Schritt getan werden, um dem Artensterben entgegenzuwirken und unsere kleinen Helfer zu retten.

Banner des Volksbegehrens

Setze ein Zeichen und werde aktiv!

Mit Deiner Unterschrift unterstützt Du das Volksbegehren Artenvielfalt und trägst so Deinen Teil zur Rettung der Bienen und allen anderen Insekten bei. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das Vorhaben auch durch monetäre Spenden zu stärken oder als freiwilliger Helfer vor Ort bei der Organisation der Listeneintragungen zu helfen. Nähere Informationen findest Du auf der Homepage des Volksbegehren Artenvielfalt. Außerdem formen sich aktuell zahlreiche lokale Aktionsbündnisse, die auf die Relevanz des Volksbegehrens aufmerksam machen und weitere Unterstützer suchen.

Nutze Deine Stimme und trage Dich in Deinem Rathaus in die bereitliegende Liste ein. Welches Rathaus für Dich zuständig ist, erfährst Du über den Rathausfinder. Neben der Adresse erhältst Du hier auch Auskunft über die Öffnungszeiten, denn viele Rathäuser verlängern während der Eintragung ihre Bürozeiten oder öffnen sogar am Wochenende ihre Türen, damit jeder die Möglichkeit hat, sich einzutragen. Also: Vom 31. Januar bis 13. Februar eintragen und so den Bienen und allen anderen Insekten eine Stimme verleihen!

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