Kirschlorbeer – ein Bienenmagnet ohne Blüten?

Als beliebte Heckenpflanze hat der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) in vielen Gärten bereits Einzug gehalten. Und an dem Strauch summt und brummt es zur Zeit: die Pflanze scheint ein richtiger Bienenmagnet zu sein! Aber wieso fliegen die Bienen ihn an, wenn er nicht einmal in Blüte steht? 

Bienen und Kirschlorbeer

Der Grund hierfür sind die extrafloralen Nektarien des Kirschlorbeers: die Pflanze sondert an ihren Blättern bzw. Stielen einen süßen Zuckersaft aus. In den meisten Fällen sitzen Nektarien allerdings innerhalb der Blüte: damit sich die Pflanze vermehren kann, müssen ihre Blüten bestäubt werden (nuptiale Nektarien) und sie lockt mit Optik, Duftstoffen und Nektar Insekten, wie zum Beispiel Honigbienen, an. An deren Körpern bleibt ordentlich Pollen hängen, der so zur nächsten Blüte getragen wird und diese bestäubt.

Extraflorale Nektarien sollen ebenfalls Insekten anlocken, dienen aber in aller Regel nicht der Bestäubung, sondern zur Schädlingsabwehr. Sind zum Beispiel Ameisen schon auf der Pflanze, weil sie durch den Zuckersaft angelockt wurden, so nehmen sie auch gleich Schädlinge mit. Von den extrafloralen Nektarien werden aber auch Bienen angelockt. Wenn es im Kirschlorbeer ordentlich summt, dann sind die Bienen gerade dabei, den Zuckersaft einzusammeln, welchen der Kirschlorbeer absondert.

Kirschlorbeer 1×1 

Die Pflanze wird im Allgemeinen Kirschlorbeer genannt, richtig wäre allerdings die Bezeichnung Lorbeerkirsche –  denn die Pflanze ist nicht mit der Lorbeere verwandt, sondern es handelt sich um ein Steinobstgewächs. Der immergrüne Strauch mit ovalen, ledrigen, lorbeerähnlichen Blättern wird meist zwischen zwei und vier Meter hoch. In extremen Fällen kann der Kirschlorbeer aber auch eine Höhe von bis zu sieben Meter erreichen. Aus den angenehm riechenden Blüten, die von April bis Juni zu sehen sind, entwickeln sich kleine, schwarze, kirschartige  Früchte. 

Im Jahr 2013 wurde der Kirschlorbeer zur Giftpflanze des Jahres gewählt: Sowohl die Kerne der Frucht als auch die Blätter enthalten Blausäure. Kirschlorbeer ist dabei nicht nur für Menschen giftig, sondern auch für Tiere, darunter Hunde, Katzen, Vögel, aber auch Pferde, Rinder und Schweine.

Bedenklich für die Umwelt 

Viele haben den immergrünen Kirschlorbeer gerne im Garten, besonders als Heckenpflanze. Denn er ist nicht nur blickdicht, sondern auch robust und pflegeleicht. Da der Strauch allerdings giftig ist, machen die meisten Tiere direkt einen Bogen um diese Pflanze. Die heimische Fauna hatte nicht genügend Zeit, sich an die Giftpflanze anzupassen und weiß deshalb häufig eher wenig mit ihr anzufangen. Heimisch ist der exotische Neophyt nämlich nicht hier, sondern in Südosteuropa und Vorderasien. 

Doch die Heckenpflanze ist nicht nur giftig, sondern breitet sich auch rasant aus! Das passiert nicht nur im eigenen Garten, was unter Umständen vielleicht so gewollt ist, sondern auch in der freien Natur. Obwohl die Früchte giftig sind, gibt es manch einen Vogel, der dennoch zugreift. Die Kerne werden wieder ausgeschieden und verteilen sich über weite Entfernungen. Das Problem an seiner Verbreitung? Der Kirschlorbeer ist relativ anspruchslos, wächst schnell und verdrängt auf diese Weise unsere heimische Pflanzen.


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