Flucht in die Stadt

Die Stadt als Lebensraum wird immer wichtiger für Tiere und Pflanzen. Während das Agrarland überwiegend von Monokulturen, Einzelgehölz und kleinen Baumbeständen geprägt ist, blühen Städte immer weiter auf – und das zieht nicht nur uns Menschen in die Städte!

Wenn die Stadt zum besseren Lebensraum für Insekten wird als das Land

Untersuchungen nach sollen in der Stadt auf gleich großer Fläche mehr Arten leben als auf dem Land. Die Agrarwirtschaft könnte sogar größeren Einfluss auf die Biodiversität haben, als die Verstädterung. 2015 fanden Ökologen der Uni Bern im Schnitt 39 Insektenarten in Stadtgebieten, aber nur 29 Arten in “grauen”, betonlastigen Vierteln und auf Flächen mit intensiver Landwirtschaft. Neben Monokulturen, die Insekten und andere Tiere z.B. nicht mit ausreichend Nahrung versorgen, ist auch der Einsatz umweltschädigender Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat ein Grund dafür. Dieses steht nicht nur in Verdacht krebserregend zu sein, sondern zerstört auch die Artenvielfalt, da es Ackerwildkräuter vernichtet, die mit den Nutzpflanzen konkurrieren. Auch durch Pestizide wird der Lebensraum für Insekten auf dem Land verkleinert. In Innenstädten hingegen wird auf den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden häufig verzichtet.

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Überraschenderweise bietet daher die Stadt den Tieren oft ein besseres Lebensumfeld. Im Urbanen befinden sich viele Parks, Gewässer und Freiflächen mit einer größeren Artenvielfalt als im ländlichen Raum. Insbesondere Parkanlagen und Brachflächen gehören zu den artenreichsten Zonen in Städten. Zwischen Häusern, Industrieanlagen, Schienen und Straßen befinden sich Gärten und andere Grünflächen, die die Tiere nutzen und bewohnen können. Extreme Garten- und Parkpflege ist dabei jedoch nicht förderlich! Statt einen englischen Rasen zu erschaffen, sollte daher besser ein Insektenparadies geschaffen werden. Und auch mit der richtigen Balkongestaltung kann man Insekten etwas Gutes tun! 

Um weiterhin zu fördern, dass sich Insekten und auch andere Tiere in Städten wohlfühlen, soll es zukünftig noch mehr wohnumfeldnahes Grün und grüne Strukturen geben. Neben den positiven Effekten für die Tiere gibt es auch einige Vorteile für den Menschen, wenn die Pflanzen zurück in die Stadt kommen. Denn Pflanzen sind nicht nur schön anzusehen, versprechen einen höheren Wohlfühlfaktor und dienen als Erholungsraum: Stadtgrün kann auch dem Klimawandel durch die Entstehung und Leitung von Kaltluft entgegenwirken. Bäume, Entsiegelung und Fassaden- oder Dachbegrünungen begünstigen Verschattung, Isolierung und Verdunstungseffekte zur Abkühlung der Temperatur. 

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