Viele Pflanzen, wenig Platz – So wird der Balkon vielfältig

Natur- und Artenschutz wird in der Öffentlichkeit immer präsenter: Schüler demonstrieren, das Internet wird von Petitionen überschwemmt und in Bayern sorgt das erfolgreiche Volksbegehren Artenvielfalt für Aufsehen. Die Forderungen der Bürger sind deutlich: Die Politik muss auf das Artensterben reagieren und der Landwirtschaft verbindliche Regelungen zu einem umweltfreundlichen Umgang mit der Natur geben.

Doch Veränderung fängt schon im Kleinen an. Anstatt also auf das Handeln von Politikern zu warten, kann jeder Einzelne von uns seinen eigenen Beitrag leisten! In dieser Blogreihe stellen wir Dir verschiedene Möglichkeiten vor, wie Du Deinen Garten, Balkon oder sonstige Naturflächen ganz einfach insekten- und umweltfreundlich gestalten und so Deinen Teil zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen kannst.

Gefüllte Töpfe – wenig Nahrung

Geranien, Dahlien und Petunien zieren im Sommer die heimischen Balkone. Ihre bunten Farben und der blumige Duft scheinen sie zur idealen Nahrungsquelle für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten zu machen. Doch diese klassischen Balkonpflanzen sind meist gezüchtet und haben gefüllte Blüten und bieten den Kleinsten unter uns weder Nektar noch Pollen! Auch viele Rosensorten und Sonnenblumen gibt es in gefüllter Form. Gerade in Städten sind Insekten auf jede Pflanze angewiesen, doch viele Balkonbepflanzungen erschweren ihnen somit die Nahrungssuche: Von dem Duft und den Farben angelockt, entdecken sie viel zu spät, dass diese kaum Nektar bereithalten und verschwenden so kostbare Energie.

Balkonbepflanzung für jedermann

Für die insektenfreundliche Bepflanzung eines Balkons gibt es viele Möglichkeiten, die ganz einfach umzusetzen sind. Für Balkonbesitzer ohne „grünen Daumen“ findet sich außerdem eine Bandbreite an pflegeleichten Pflanzen. Grundsätzlich können sowohl Blumen als auch Stauden, Sträucher und kleine Bäume in Töpfen angepflanzt werden. Jedoch sollte bei der Wahl die Größe des Balkons berücksichtigt werden. Wachsen zu viele Pflanzen nahe beieinander, haben sie nicht ausreichend Platz, um kräftige Wurzeln zu entwickeln. Gerade niedrigwüchsige Blumen versinken außerdem schnell im Schatten der anderen und erhalten nicht ausreichend Sonnenstrahlen. Um eine Überpflanzung zu vermeiden, sind deshalb weitere Pflanzen nur schrittweise zu integrieren.

Zum Anpflanzen können Töpfe, Kübel und Ampeln genutzt werden. Wichtig ist hier, dass die Behälter tief genug sind, sodass die Pflanzen ausgeprägte Wurzeln entwickeln können. Abhängig von der Pflanzengröße muss auch das Volumen des Topfs angepasst werden. Ist der Topf zu klein, verdunstet das in der Erde gespeicherte Wasser an heißen Tagen deutlich schneller als in großen. Dieser Wasserentzug kann den Pflanzen stark zusetzen. Außerdem müssen die Behälter Löcher für den Wasserablauf haben, damit die Wurzeln nicht ersticken und sich kein Schimmel in der Erde bildet.

Allseits beliebte Kräuter

Die Lage des Balkons ist entscheidend für die Pflanzenauswahl, denn während einige von ihnen nicht genug Sonne haben können, bevorzugen andere schattige Plätze. Wärmeliebende Kräuter sind sowohl bei Insekten als auch bei Menschen beliebt und somit die ideale Bepflanzung für sonnenbeschienene Balkone. Ob Oregano, Salbei, Schnittlauch oder Majoran – Kräuter bieten eine Bereicherung in der Küche und vielen Insekten reichlich Nahrung. Wichtig ist allerdings, nicht alle Kräuter direkt abzuschneiden, da sie sich sonst nicht wieder erholen können. Außerdem sollte man immer einen Teil der Kräuter austreiben lassen, denn die Blüten sind für fleißige Nektarsammler besonders interessant und uns bieten sie ein buntes Farbspektakel!

Auch verschiedene Staudenarten genießen gerne die Sonne: Goldzweizahn, Pfingstnelken und Ehrenpreis sorgen mit ihren duftenden Blüten für einen regen Andrang von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen; Seidenpflanze und Kornblume sind ebenfalls wahre Insektenmagneten. Für ein reichhaltiges Angebot können Astern und Fetthennen gepflanzt werden. Diese Spätblüher sind unkompliziert und sorgen mit ihren farbenfrohen Blüten auch im Herbst noch für Nahrung und gute Laune.

Schattenplätze nutzen

Balkone, denen es an Sonne fehlt, können ebenfalls vielseitig bepflanzt werden. Viele Pflanzen wachsen sowohl an sonnigen als auch halbschattigen Plätzen, dazu gehören zum Beispiel Kapuzinerkresse, blauer Männertreu, Glockenblume, Fuchsien und verschiedene Verbenen. Natürlich muss darauf geachtet werden, dass Pflanzen im Halbschatten deutlich seltener gegossen werden müssen. Außerdem sollte man im Auge behalten, ob sie sich an ihrem Standort gut entwickeln. Gelegentlich kommt es vor, dass man eine Pflanze öfter umstellen muss, bevor der passende Ort gefunden ist.

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Vielseitig und abwechslungsreich

Viele Wildblumen, die im Garten Insekten anlocken, lassen sich ebenso im Topf anpflanzen und auch Bienenweidesamen können auf dem Balkon ausgesät werden. Allerdings sollte mit dem Saatgut sparsam umgegangen werden, damit die Pflanzen nicht zu dicht wachsen und ausreichend Licht abbekommen.

Um Insekten das ganze Jahr über zu versorgen, muss ein abwechslungsreicher Pflanzenmix geboten werden! Im Sommer wachsen vielfältige Pflanzen, aber gerade während der Übergangszeiten ist es wichtig, gezielt ein Nahrungsangebot zu schaffen. Zu Beginn des neuen Jahres sind Schneeglöckchen, Krokusse, Tulpen und Primeln klassische Frühlingsboten und die ersten Energielieferanten. Auch im Herbst sind noch viele Insekten unterwegs, die auf der Suche nach Nahrung vor der kalten Jahreszeit sind. Thymian und Oregano sind Kräuter, die eine lange Blütezeit haben. Bis in den Oktober bereichern Gänseblümchen, Flammen-, Ringel- und Sonnenblumen den Balkon mit nahrhaften Blüten.

Vertikale Gärten

Kletterpflanzen wie Efeu, Blauregen oder Geißblatt können auch vom Balkon aus angepflanzt werden und bieten eine Lösung für alle, die einen kleinen oder nicht stark belastbaren Balkon haben. Für halbschattige Balkone sind Waldreben geeignet: Je nach Sorte blühen diese weiß, gelb oder rosa bis lila. Wer von intensiven Farben gar nicht genug bekommen kann, sollte Wilden Wein anpflanzen. Im Herbst macht dieser mit seinen leuchtenden orange-roten Farben jeden Balkon zum Hingucker.

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Um die Außenwände des Hauses nicht zu beschädigen, kann einfach ein Rankgitter montiert werden, an dem die Pflanzen entlang wachsen. Unter den Blättern finden viele kleine Tiere Schutz vor Feinden und einen Unterschlupf bei schlechtem Wetter. Und auch für den Wohnungsinhaber haben die Pflanzen einen Vorteil: Sie schützen die Außenwände vor starker Sonneneinstrahlung und können im Sommer vor hohen Temperaturen bewahren.

Aus Gästen werden Dauerbewohner

Schon mit ein paar Pflanzen lässt sich so ein kleines Paradies für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten schaffen! Die vielfältigen Farben und tolle Kräuter versüßen sowohl den Wildtieren als auch Dir den Besuch auf dem Balkon. Auch Nisthilfen für Insekten lassen sich natürlich auf dem Balkon anbringen. Hier sollte ein passender, möglichst ruhiger Ort gewählt werden. Befindet sich die Nisthilfe direkt neben der Balkontür, fühlen sich viele Tiere gestört und werden dort nicht einziehen. Welche Vorteile Nisthilfen den Insekten bieten und wie sie eingesetzt werden können, kannst Du in unserem letzten Blogbeitrag nachlesen.

Du willst noch mehr wissen?

Das Buch “Insektenhotels” von Werner Stingl (Nietsch Verlag) bietet einen umfassenden Überblick über insektenfreundliche Bepflanzung und erklärt, wie Nisthilfen im Garten und auf dem Balkon integriert werden können. Wenn Du vor allem Nutzpflanzen auf Deinem Balkon anpflanzen möchtest und auch mehr über die effiziente Platznutzung auf dem Balkon erfahren möchtest, findest du in dem Buch “Stadtgrün statt grau” von Wiebke Jünger (Ulmer Verlag) zahlreiche Ideen zum Selbstmachen.


Zuvor in dieser Blogreihe erschienen:

Insektenhotels und Nisthilfen
Vom Boden bis zur Blüte – ein Insektenparadies entsteht
Grow wild – vom englischen Rasen zum Insektenparadies

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