Mai: Hochsaison für Bienchen und Imker

In unserer Serie „Tipps und Tricks für Imker“ verraten wir Dir, was es gerade an den Bienen zu tun gibt.  Hier findest Du im Rhythmus von drei Wochen die wichtigsten Infos, was gerade in der Natur vor sich geht, was die Bienen gerade machen und was Du als Imker jetzt tun solltest.  Die Serie ist sowohl für Jungimker als auch für erfahrenere Imker geeignet, um sich einen Überblick über das schöne Hobby Imkerei zu machen. Viel Spaß beim Lesen!

04.05.2019 – Das Frühjahr nimmt Fahrt auf, das Obst und der Raps blüht – nur das Wetter hat leider nicht immer gut mitgespielt. Deine Völker haben sich hoffentlich trotzdem gut entwickelt und sind bereit für das große Blühen. Nun steht die intensivste Zeit des Jahres an. Wir sagen Dir, was zu tun ist, damit Du bei den verschiedenen Arbeiten den Überblick nicht verlierst.

Was macht die Natur?

Nachdem der April typischerweise durchwachsen war, können wir auf den Mai sehr gespannt sein. Der Mai verspricht recht schön anzufangen, hoffentlich bleibt das auch so.

Es blühen der Raps, das Obst und viele weitere Pflanzen, die den Bienen als Nektarquelle dienen. Jetzt in der Hauptsaison ist der Tisch für die Bienen reich gedeckt. Das Problem: Bei kalten Temperaturen fliegen selbst die fleißigsten Bienchen nicht. Jetzt ist Geduld gefragt, bei warmem Wetter legen die Bienen dann wieder los. Gerade Raps honigt auch bei niedrigeren Temperaturen.

Es wird wieder wärmer, sodass die Bienen, jetzt wo es honigt, auch fliegen können. Ab Anfang Juni beginnt dann auch bei Himbeere, Brombeere, Ross- und Edelkastanie sowie Robinien die Blütezeit.
Biene auf Loewehnzahn - Tipps und Tricks für Imker

Was machen die Bienen?

Die Bienen steuern momentan auf ihrem Populationshöhepunkt zu, weshalb sie sich jetzt um den Fortbestand ihrer Spezies kümmern. Das bedeutet, dass sie sich übers Schwärmen vermehren wollen. Dazu wächst die Population stetig, sie ziehen nun auch Drohnen und bei konkreten Schwarm-Plänen auch junge Königinnen in Schwarmzellen heran. Es ist also Hauptsaison bei den Bienchen.

Über eventuell auftretende kalte Temperaturen im Mai musst Du Dir keine Sorgen um sie machen, die Biene ist schließlich ein wildes Tier und hat so Jahrtausende überlebt. Wichtig ist dabei nur – wie immer – dass der Futterstrom nicht abreißt und die Bienen genügend Vorräte haben.
Weiselzelle - Tipps und Tricks für Imker

Was macht der Imker?

Was ist bisher geschehen? Idealerweise hast Du bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu viel an den Bienen gemacht. Frühjahrskontrollen zu Weiselrichtigkeit, Volkstärke und Futtervorrat waren notwendig und bei passender Tracht und Volkstärke hast Du schon den Honigraum aufgesetzt. Außerdem hast Du vielleicht bereits einige Vorbeugungen zur Schwarmverhinderung durchgeführt. Somit steht dem Start im Sommer nichts mehr im Wege!

Was ist jetzt zu tun? Öffne die Beute nicht unnötig, denn das stört nur den Wärmehaushalt im Stock. Du solltest aber unbedingt die Futterreserven im Blick behalten und notfalls zufüttern. Das Volk sollte immer einen Vorrat von etwa fünf Kilogramm Futter haben. Am geschicktesten ist das in den Randwaben im Brutraum. Auch wenn es keinen Nektar zu sammeln gibt, verbraucht ein Volk etwa zwei Kilogramm Futter in der Woche. Wenn es wieder wärmer ist, solltest Du ab jetzt etwa alle zehn Tage nach den Bienen schauen um das Verhalten des Volkes zu beobachten. Hier solltest Du vor allem den Schwarmtrieb im Blick haben. Als Imker sollte es Dein Ziel sein, dass ein Bienenvolk nicht schwärmt. Das hat zwei konkrete Gründe: Für dich als Imker springt bei einem abgeschwärmten Volk kaum noch Honig heraus. Für die Bienen ist es ebenfalls nicht gut, da der Schwarm in der freien Wildbahn ohne die Hilfe des Imkers nicht überleben kann. Deshalb zeitig nach dem Schwarmtrieb schauen und diesem vorbeugen. Siehst Du bei der Kontrolle kleine unbestiftete Spielnäpfchen, ist das im Mai völlig normal. Kritisch wird es erst, wenn Du bestiftete Schwarmzellen hast.

Gute Maßnahmen zur Schwarmverhinderung sind Drohnenrahmen schneiden, den Völkern genügend Platz geben und zeitig zu schröpfen. Das Schneiden des Drohnenrahmens ist nicht nur zur Schwarmvorbeugung sinnvoll, sondern auch eine gute biologische Behandlungsmethode gegen die Varroamilben. Das kommt daher, dass die Drohnenbrut von den Milben bevorzugt wird, da sie in der Drohnenbrut länger Zeit haben sich zu vermehren. Durch das Entnehmen der Drohnenbrut lässt sich die Milbenanzahl auf natürliche Art und Weise reduzieren. Außerdem siehst Du am Drohnenrahmen auch gut, ob das Volk schon in Schwarmstimmung ist, denn Schwarmzellen sind besonders häufig am Drohnenrahmen zu finden. Wichtig: Den Drohnenrahmen rechtzeitig entnehmen und die Drohnen nicht schlüpfen lassen. Nach dem Entnehmen solltest Du den Rahmen in die Gefriertruhe legen, damit Milben und Drohnen sterben und kannst ihn anschließend einschmelzen oder die Drohnenlarven an Fische oder Vögel verfüttern.
Dir ist trotz aller Vorbeugung ein Schwarm ausgebüchst? Kein Problem, wir haben im letzten “Tipps & Tricks” zusammengefasst, wie Du ihn am besten wieder einfängst.Einen Ableger bilden - Tipps und Tricks für ImkerEin weiterer Trick gegen den Schwarmtrieb ist das zeitige Aufsetzen des Honigraumes. So haben die Bienen mehr Platz um sich auszubreiten und dadurch auch weniger Lust aufs Schwärmen.

Das wohl effektivste Mittel gegen den Schwarmtrieb ist das Schröpfen der Völker. Du entnimmst dem Volk also Brutwaben und kannst damit Ableger bilden. Besonders wichtig ist dabei, dass die Königin im alten Volk bleibt und nicht mitumgehängt wird. Beim Schröpfen gilt: “Vorsicht ist besser als Nachsicht”. Sind bereits bestiftete Schwarmzellen vorhanden, hilft eine solch kleine Schröpfung oft nicht mehr. Mit den geschröpften Brutwaben kannst Du jetzte Ableger bilden und Deinen Bestand vergrößern. Dazu noch eine Futterwabe und mit einer neuen Königin ist der Ableger schon ein echtes, kleines Volk. Da Königinnen aus Nachschaffungszellen oft nur Notlösungen sind und erst später mit Gelee Royal gefüttert werden als Königinnen aus Schwarm- und Edelzellen, ist es ratsam das Volk selbst zu beweiseln und es keine Königin nachziehen zu lassen. Mit einer bewussten Auswahl von Zuchtstoff können gewisse Eigenschaften herausselektiert werden. Und wer hat denn nicht gerne sanfte, ertragreiche, schwarmträge Bienen? Die Beweiselung kannst Du entweder mit eigens gezüchteten Weiselzellen machen oder mit einer gekauften Edelzelle. Meist gibt es beim Imkerverein eine Ausgabe für solche Zellen. Für Ableger ist zudem ein eigener Ablegerstand notwendig, der mindestens drei Kilometer von den anderen Ständen entfernt ist. Zur Varroa-Vorbeugung solltest Du jetzt schon die Ableger behandeln. Hierfür kannst Du sie nach der Bildung entweder mit 15% Michsäure, oder mit 3,5% Oxalsäure besprühen. Für eine gute Begattung der Königinnen ist es hilfreich, die Ableger nicht in einer Reihe sondern unregelmäßig aufstellen. So kann sich die Königin nach dem Hochzeitsflug nicht verirren und findet besser wieder in ihr eigenes Heim.

Die Ablegerbildung ist übrigens auch eine gute Gelegenheit bei einem Imkerpaten in die Lehre zu gehen. Zusammen kann man einen Ableger bilden, ihn erweitern und beim Wachsen zusehen, damit ihn der Jung-Imker dann im nächsten Frühjahr allein übernehmen kann.

Wenn das Volk trotz aller Schwarmverhinderungsmaßnahmen noch schwärmen will, bleibt dir nichts anderes übrig, als das Brechen von Schwarmzellen. So verhinderst Du, dass eine neue Königin schlüpft und das Volk schwärmt.

Falls Dir oder einem anderen Imker doch ein Schwarm abgeht, kannst Du diesen Schwarm ganz einfach schöpfen. Wichtig ist dabei, dass Du Dich nicht unnötig in Gefahr bringst – Kein Schwarm ist es wert, Deine Gesundheit zu riskieren! Ist der Schwarm aber gut erreichbar, die Bienentraube etwas mit Wasser besprühen, damit später keine Bienen auffliegen und dann die Traube in eine Schwarmfangkiste oder ein geschlossenes Magazin stoßen. Wenn der Großteil der Bienen in der Kiste ist, die Kiste in den Schatten stellen und an einer Stelle offen lassen. Die Bienen orientieren sich im Schwarm nämlich nach der Königin und ziehen zu ihr in die Kiste ein. Ist der Schwarm erfolgreich geschöpft, kannst Du ihn am nächsten Tag in eine Beute mit Mittelwänden geben. Wichtig ist, dass Du ihn gleich fütterst, da der Schwarm ja keine Futtervorräte hat. Prinzipiell sind Schwärme sehr fleißig und können Dir bei einer späten Tracht auch noch gut Honig bringen.biene rapsDich ruft ein Nachbar an, dass er einen Schwarm im Garten hängen hat und Du bist Dir nicht sicher, ob du ihn einschlagen darfst? Dafür gibt es extra ein Schwarm-Gesetz im Bürgerlichen Gesetzbuch. Ein Schwarm gilt dann als herrenlos, wenn er nicht gleich vom Imker verfolgt wird. Und ein herrenloser Schwarm gehört dem Finder, der zum Einfangen des Schwarmes auch fremde Grundstücke betreten darf. Wenn Du also einen Schwarm siehst oder angeboten bekommst, darfst Du ihn Dir ohne rechtliche Bedenken aneignen.

Und dann heißt es: gut vorbereitet sein, denn das Wetter kann sich schnell ändern! Fertig aufsetzbare Honigräume bereithalten und schon einmal die Geräte für die Schleuderung vorbereiten, kann also nicht schaden.

Was steht in Zukunft an? Jetzt beginnt die heiße Phase! Als Imker musst Du in den kommenden Wochen viele Arbeiten gleichzeitig stemmen: regelmäßige Schwarmkontrollen im Rhythmus von 7 Tagen, Honigschleudern, Ablegerbildung. Eine intensive, aber auch schöne Zeit!


Weitere Einträge zu „Tipps und Tricks für Imker“ findest Du hier:

Dezember: Imkerarbeiten während der Winterruhe
November: Winterruhe
Oktober: Winterarbeiten
September: Die Einwinterung steht bevor
August: Spätsommerpflege für einen stressfreien Winter
Ende Juli: Erste Vorbereitungen für den Winter
Anfang Juli: Mit der Spättracht kommt die Kür
Anfang Juni: Der erste Honig fließt
April: Das große Blühen beginnt
März: Erfolgreich Auswintern für einen guten Start ins Bienenjahr
Februar: Der Frühling ist in Sicht

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