Auf der Jagd nach Bienen – Der Bienenwolf

Sie gräbt über viele Tage hinweg Tunnel in den sandigen Boden. Dabei verfrachtet sie täglich mehrere handvoll Sand und schleppt mit ihren Mandibeln sogar Steine, die teilweise größer sind als sie selbst… Alleine in Europa gibt es 260 verschiedene Grabwespenarten, die Bienenwolf-Wespe (Philanthus Triangulum) ist eine von ihnen. Bis auf die auffällige weiße Gesichtsmaske, lässt sie sich optisch kaum von herkömmlichen Wespen unterscheiden. Die Körperlänge weiblicher Bienenwolf-Wespen liegt zwischen 13 – 18 mm, Männchen sind mit 8 – 19 mm deutlich kleiner. Doch sie trägt den Namen Bienenwolf nicht ohne Grund, denn für ihre Brut geht sie auf die Jagd nach tierischen Proteinen – und ihr Hauptziel ist die Honigbiene.

Ein neues Jahr und viele Vorbereitungen

Mitte Juni beginnt die Flugzeit des Bienenwolfs. Die Wespen begeben sich auf die Suche nach geeigneten Nistplätzen, um mit dem Graben der Gänge zu beginnen. Der Bienenwolf lebt solitär, er lebt also als Einzelgänger und baut auch das Nest vollkommen alleine. Allerdings sammeln sich oft mehrere dieser Wespen an beliebten Nistgelegenheiten, die meist aus trockenem und lockerem Sandboden bestehen. Die Tunnel, welche als Niststätte dienen, sind teilweise bis zu einem Meter lang und an den abzweigenden Enden befinden sich Brutkammern, in denen die Eier abgelegt werden.

Der männliche Bienenwolf verteilt über seine Kopfdrüsen Pheromone, die Weibchen anlocken sollen. Abgesehen von der Befruchtung, kommt den Männchen allerdings nur eine zweitrangige Rolle zuteil, denn die Weibchen kümmern sich sowohl um den Nestbau als auch um die Brutpflege.

Natürliches Antibiotikum durch Symbiose

In den hohlen Fühlern der Weibchen zeigt sich deshalb eine interessante Symbiose, die schon über Jahrtausende hinweg besteht: Der Hohlraum bietet den Streptomyces Bakterien ein Zuhause. Diese gedeihen innerhalb der Antennen und produzieren im Gegenzug einen Wirkstoff, der gegen Pilzbefall schützt. Der Bienenwolf nutzt das Mittel, um es in den Brutkammern abzulegen und so die Brut vor Schimmelpilzen zu sichern. Die Nachkommen werden also mit einer Art natürlichem Antibiotikum vor Krankheiten geschützt.

Die Jagd beginnt

Doch wieso nimmt der Bienenwolf Jagd auf die Honigbiene? Erneut handelt es sich hier um die Versorgung der Nachkommen. Erwachsene Bienenwölfe ernähren sich ausschließlich von Nektar und Pollen. Die Brut hingegen verspeist nach dem Schlüpfen bis zu sechs Honigbienen! Um dem Nachwuchs also ausreichend Nahrung zur Verfügung zu stellen, begibt sich die Bienenwolf-Wespe auf die Jagd.

Sie folgt dabei ganz einfach den chemischen Signalen, die Honigbienen nutzen, um miteinander zu kommunizieren. Meistens lauert sie ihrer Beute direkt bei der Nektarernte auf der Blüte auf. Entdeckt die Wespe eine Honigbiene, so betäubt sie sie mit ihrem Gift – innerhalb weniger Sekunden ist die Biene gelähmt und kann sich nicht weiter gegen den Angriff wehren. Aber auch ohne Betäubung ist die Verteidigung oft zwecklos, denn der Bienenwolf verfügt über eine Art “natürliche Rüstung”. Das gesamte Außenskelett ist, wie auch bei anderen Wespenarten, durch Platten geschützt, die zusätzliche Verlängerungen am Abdomen haben. So sind sie weitgehend vor dem Stachel der Honigbiene geschützt.

Sobald der Gegner betäubt ist, drückt die Wespe auf dessen Magen. Der Nektar, welcher hervortritt, wird von dem gierigen Bienenwolf verspeist. Anschließend dreht der Räuber die Honigbiene auf den Rücken und trägt sie quasi per Luftpost zur Niststelle, obwohl diese meist mehr wiegt als die Wespe selbst. Die betäubte Biene wird schließlich in den bereits vorbereiteten Unterschlupf gebracht, bis sie letztendlich als Brutnahrung verendet.

Philanthus_triangulum_-_Suffolk,_UK (1)

Von der Larve zum Jäger

Sobald der September hereinbricht, sterben die erwachsenen Tiere, doch unter der Erde ist noch einiges los: Die Larven schlüpfen 2-3 Tage nach der Legung aus ihren Eiern und essen die konservierten Bienen. Danach verschwinden sie über den Winter hinweg in ihrem Kokon, der ebenfalls die Wirkstoffe des Streptomyces Bakteriums enthält und so vor Pilzen schützt. In diesem Schutzmantel verharren sie, bis im Juni das neue Jahr für die Bienenwölfe beginnt.

Impulse für die moderne Wissenschaft

In den 1950er Jahren wurden Bienenwölfe stark bekämpft, denn vor allem Imker sahen in ihnen einen Feind für ihre liebgewonnenen Honigbienen. Heutzutage ist die Bekämpfung der Philanthus Triangulum allerdings stark zurückgegangen, denn es ist bekannt, dass Bienenstöcke die Verluste problemlos ausgleichen können. Somit richten die Bienenwölfe in der Regel keinen dauerhaften Schaden an. Auch für den Menschen stellt diese Wespe keine Gefahr dar, denn sie setzt ihr Gift ausschließlich gegenüber ihrer Beute ein. Die von der Wespe eingesetzten Streptomyces Bakterien könnten in Zukunft für uns sogar hilfreich sein. Wissenschaftler untersuchen bereits, wie sich diese Form des Antibiotikums künstlich herstellen lassen könnte. Im Moment ist dies allerdings noch nicht möglich.


Neben dem Bienenwolf gibt es noch weitere natürliche Fressfeinde der Honigbiene. Erst vor etwas mehr als 10 Jahren ist die asiatische Hornisse Vespa Velutina Nigrithorax aus China dazu gekommen! Auf welche Jagdtechnik sie sich spezialisiert hat und wie Du sie erkennst, erfährst Du hier.


Bilder
Header: Frank Vassen from Brussels, Belgium [CC BY 2.0]
Bild 1: Orangeaurochs from Sandy, Bedfordshire, United Kingdom [CC BY 2.0]
Bild 2:Fritz Geller-Grimm [CC BY-SA 3.0]
Bild 3: Charlie Jackson [CC BY 2.0]

  Zur Übersicht