Was kommt nach dem Dürresommer?

Der Sommer 2018 war scheinbar unendlich, noch bis Mitte Oktober konnten Temperaturen von bis zu 20 Grad gemessen werden. Doch was für viele Menschen anfangs nach schönem Wetter aussah, entpuppte sich schon bald zu einem der stärksten Dürresommer der letzten Jahrzehnte. Denn die extreme Trockenheit hat in der Natur und somit auch in der Landwirtschaft schwerwiegende Auswirkungen, die an vielen Konsumenten vermutlich unbemerkt vorbeigezogen sind. 

Viel Hitze & kaum Niederschläge

In einigen Medienberichten ist oft die Sprache vom “Hitzesommer 2018”. Das ist natürlich richtig, denn die Temperaturen erreichten bis zu 38 Grad und blieben etwa von Juni bis Oktober durchgehend auf einem hohen Niveau. Doch problematisch wurde diese Hitze erst durch wenige Niederschläge, da nicht genügend Wasser vorhanden war, um die hohen Temperaturen auszugleichen. Die darauf folgende Dürre hatte für viele Bauern starke Ernterückgänge zur Folge: In manchen Regionen fiel durchschnittlich ein Drittel der Getreideernte aus und auch die Kartoffelerträge gingen um fast ein Viertel zurück. Die geringen Ernten wirkten sich auch auf das Futter für Nutztiere aus. Viele Bauern mussten Futter zukaufen oder sogar ihre Viehbestände reduzieren, um diese ausreichend zu versorgen. Zahlreiche Höfe beantragten außerdem staatliche Beihilfen, denn gerade Kleinbauern sahen sich durch die Ausfälle kurz vor dem Existenzminimum. Die Preise für viele Gemüsesorten, allen voran Kartoffeln, gingen um ein Vielfaches nach oben. Nur bei der Obsternte und der Weinlese konnte von den hohen und trockenen Temperaturen profitiert werden. Die Weinlese startete mit Anfang August so früh wie schon seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr.

Aber nicht nur in der Landwirtschaft zeigte sich der Dürresommer. In vielen Teilen Deutschlands kämpfte man mit Waldbränden, die sich über mehrere Hektar Land ausbreiteten. Und auch Gewässer erwärmten sich stark, der Rhein an manchen Stellen sogar auf bis zu 28 Grad! Die daraus resultierenden niedrigen Wasserstände und der zunehmende Sauerstoffmangel setzte vielen Fischen und Pflanzen zu.

Die Folgen der Dürre

Der Klimawandel scheint sich bemerkbar zu machen. Bereits seit 1880 wird jährlich die globale Durchschnittstemperatur ermittelt – und die wärmsten Jahre seither liegen alle in den vergangenen 20 Jahren. Nach dem Hitzesommer 2018 trumpft auch der diesjährige Sommer mit Hitzeperioden und Rekordtemperaturen auf. Doch er hatte mehr Kältephasen und sorgte auch häufiger für etwas Niederschlag. Experten gehen davon aus, dass es sich bei dem Sommer des letzten Jahres um einen Extremfall handelt, der vermutlich in dieser Form nicht jedes Jahr auftreten wird. Erst wenn sich solche Dürresommer häufen, kann wirklich von einer Klimaänderung gesprochen werden. 
Auch wenn der Dürresommer 2018 sich in diesem Jahr nicht im selben Ausmaß wiederholt, die Natur zeigt noch seine Spuren: Zahlreiche Wälder haben große Schäden, der Bestand an Fichten ist stark zurückgegangen. Seit Monaten kämpfen viele Förster mit verstärktem Schädlingsbefall an den beschädigten Bäumen, wie beispielsweise durch den Borkenkäfer. Viele kleine Landwirte haben durch die Ernteausfälle finanzielle Probleme. Greenpeace hat deshalb zusammen mit drei betroffenen Familien eine Klimaklage eingelegt. In dieser verklagen sie die deutsche Regierung und machen sie zum Hauptverantwortlichen für den Dürresommer, denn bisher hält sie vereinbarte Klimaziele nicht ein und wird sie Ende diesen Jahres wieder verfehlen.

Langfristige Folgen des Dürresommers können bisher nur schwer abgeschätzt werden. In den nächsten Jahren sollten sich Landwirte zunehmend auf Veränderungen einstellen, aber auch von der Politik muss mehr Unterstützung kommen, sodass gerade die Existenz kleiner Bauern gesichert ist.

Bewässerung

Ist Öko die Lösung?

Politische Regelungen fehlen noch, stattdessen wird betont, dass sich Landwirte besser auf die veränderten Klimabedingungen einstellen müssen. Bewässerung wird auch ohne einen neuen Hitzerekord immer weiter an Relevanz gewinnen. Es ist wichtig, dass im Falle von Trockenheit rechtzeitig Bewässerungsmaßnahmen ergriffen werden, um erneute hohe Ernteverluste zu vermeiden. Aber auch die ökologische Landwirtschaft gerät immer weiter in den Mittelpunkt der Debatte. Ein Schädlingsbefall breitet sich zwar auf ökologisch bewirtschafteten Flächen oft stärker aus, da er nicht durch Pestizide behandelt werden darf. Allerdings ist die Gefahr für solche Schäden geringer, denn es werden viele Vorabmaßnahmen getroffen, um dies zu verhindern. Die ausgewogene Nutzung der Böden, zum Beispiel durch Mischkulturen und Fruchtfolgen, sorgt für einen regulierten Nährstoffhaushalt und eine bessere Speicherung des Wassers. Viele Öko-Bauern sind deshalb weniger schwerwiegend von der Dürre betroffen als konventionelle Betriebe. Somit könnte ökologische Landwirtschaft eine Möglichkeit sein, um sich besser an die höheren Temperaturen anzupassen und sich auf Extremsituationen vorzubereiten.

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