Streuobstwiesen: wild, aber nicht willkürlich

Streuobstwiesen sind eigentlich Kulturlandschaften. Das kann erstmal für Verwunderung sorgen, wenn man sie sich ansieht: kreuz und quer stehen alte und junge Bäume auf einer Wiese verstreut. Dazwischen Wiese und Weide, manchmal auch ein Acker. Das mag erst Mal wild und mitunter willkürlich aussehen, allerdings steckt dahinter eine lange Tradition und wahnsinnig viel Pflege.

Denn die Obstbäume sind mit ihrem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit echte Divas. Sie müssen schon als Jungbäume “erzogen” und später regelmäßig und fachkundig beschnitten werden, damit sie später das Gewicht des reifen Obstes tragen können. 

Ein (inzwischen) seltener Anblick

Wer jetzt einen Spaziergang macht und nach diesen zauberhaften Streuobstwiesen Ausschau hält, wird ein Weilchen suchen müssen. Es gibt sie noch – keine Frage. Aber bei weitem nicht so viele wie früher. 

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden ein Großteil der Wiesen gerodet, um Platz zu machen für neue Bebauung und Straßen. Zudem waren sie weniger rentabel als moderne Obstanlagen. Erst ab den 70’er Jahren setzte man sich wieder für den Erhalt und das Anlegen neuer Streuobstwiesen ein und erkannte die besondere Bedeutung für Mensch, Tier und Natur.

Ein Eldorado für Mensch und Tier 

Gut, dass die Obsthippies nochmal die Kurve bekommen und die Vorteile so einer Streuobstwiese erkannt haben. Denn das Obst ist nicht nur lecker und wird in den allermeisten Fällen nicht chemisch behandelt, sondern man findet auf vielen Streuobstwiesen noch richtige Schätze. Oft wachsen an den alten Bäumen traditionelle, in Vergessenheit geratene Obstsorten. Diese stellen ein ganz besonderes Geschmackserlebnis dar, da sie ganz anders und viel spezieller schmecken als die für die Masse produzierten Sorten aus dem Supermarkt.

Darüber hinaus bieten die Streuobstwiesen reichlich Lebensraum für heimische Tiere und Insekten, viele davon sind vom Aussterben bedroht. In den Kronen der Bäume finden beispielsweise Vögel und Fledermäuse ein Zuhause. In den Stämmen leben unterschiedliche Insekten und Larven. Auf und unterhalb der Wiese finden sich weitere Kleinsäuger und sogar Reptilien, wie Eidechsen und Blindschleichen.

Streuobstwiese

Nicht nur die Bienen werden satt

Ganz besonders gut gefällt es den Honigbienen auf so einer Streuobstwiese. Denn sie finden an, unter und neben den Bäumen eine Menge verschiedenartiger Nahrung. Und das kommt wiederum nicht nur ihnen, sondern auch Pflanzen und Menschen zugute. Es wird fleißiger bestäubt und damit einer größere Ernte eingefahren. Eine klassische Win-Win-Win Situation!

Klar, es kann jetzt nicht jeder eine Streuobstwiese im Garten anlegen geschweige denn pflegen. Was man aber zum Beispiel machen kann: Streuobstsäfte kaufen oder am Marktstand des Vertrauens Mal nach Streuobst fragen und sich durchprobieren.

Vielleicht ist der neue Lieblingssaft oder die neue Lieblingssorte ja mit dabei!


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