Social-Bee – Integration leicht gemacht

Das Münchner Startup Social-Bee hat es sich zur Aufgabe gemacht, Geflüchtete als motivierte und treue Mitarbeiter an Firmen zu vermitteln. Sie wollen jungen Geflüchteten eine Zukunftsperspektive geben und sie so in die deutsche Gesellschaft integrieren. Ihr Konzept beinhaltet Sprachkurse, sozialpädagogische Betreuung und Fortbildungen für die Geflüchteten, sowie interkulturelle Schulungen für die Firmen.

Um das Geld dafür aufzutreiben, läuft seit heute ihre Crowdfunding-Kampagne. Wir haben die Gelegenheit genutzt und Lisa vom Social-Bee-Team interviewt.

Wer seid Ihr und was ist Euer Konzept?

Social-Bee stellt als soziales Startup Geflüchtete mit geringer Qualifikation an und möchte sie so vor der Langzeitarbeitslosigkeit bewahren. Wir überlassen sie hierzu als Personaldienstleister unkompliziert an Unternehmen aus der Lager- und Logistikbranche. Sie sind also bei Social-Bee fest angestellt und werden von uns nach Tarifvertrag entlohnt. Dabei übernehmen wir für die Firmen kostenpflichtig die bürokratischen Anforderungen und finanzieren davon Sprach- und Weiterbildungskurse für die Geflüchteten. So erfolgt durch erste Qualifizierungsmaßnahmen ein erfolgreicher Eintritt in den Arbeitsmarkt. Unser Ziel ist es, dass die Geflüchteten sich nach eineinhalb Jahren von uns lösen können. Sie sollen ihren festen Platz im Unternehmen finden. Idealerweise gelingt das, indem die Firma ihnen zum Beispiel durch eine Ausbildung weitere Wege nach oben ermöglicht.

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Seit wann gibt es Euch und woher kam die Idee zu „Social-Bee”?

Die Idee für Social-Bee entwickelte die junge Gründerin Zarah, nachdem sie im Auslandssemester Freundschaft mit einem geflüchteten Mädchen schloss. Von ihrer Freundin erfuhr sie viel über die Schwierigkeiten des Ankommens. Sie beschloss, selbst tätig zu werden und geflüchteten Menschen zu helfen. „Wir haben schnell erkannt, dass der Arbeitsmarktzugang eines der größten Hindernisse zur Integration darstellt. Wir haben dann einige Modelle durchdacht und mussten zu unserer eigenen Überraschung feststellen, dass Arbeitnehmerüberlassung als Integrationsmechanismus wirken kann.“ Diese Erkenntnis setzte sie mit ihrem alten Kommilitonen Max dann in die Tat um: Die offizielle Gründung vollzog sich im März 2016 und im August arbeiteten schon die ersten Geflüchteten bei Social-Bee.

Wie erfahren Flüchtlinge von Euch?

Wir sind sehr gut mit den Helferkreisen in der Umgebung aber auch mit den Ämtern vernetzt. Social-Bee als potentieller Arbeitgeber verbreitet sich unter Geflüchteten wie ein Lauffeuer. Unsere Arbeit besteht dann darin, in Erfahrung zu bringen, ob der Geflüchtete in Deutschland arbeiten dürfte, wenn er einen Job hat. Das hängt immer wieder von verschiedenen Faktoren ab und ist auch von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich.

Warum sollten sich Unternehmen an Euch wenden?

Der Nutzen für Geflüchtete – neue Jobperspektiven – ist sehr offensichtlich. Der von Unternehmen ist aber erst auf dem zweiten Blick zu erkennen.
Für Unternehmen ist es aufgrund der bürokratischen Anforderungen sehr aufwendig, Geflüchtete einzustellen. Ihre Kapazitäten lassen es nicht zu, sich in die speziellen rechtlichen Bestimmungen für Asylbewerber oder -empfänger einzuarbeiten. Die Geflüchteten selbst kommen zwar bereits mit einer Arbeitsbiographie in Deutschland an – den Firmen fällt es aber schwer ihre Kenntnisse einzuordnen und ihre Qualifikationen mit deutschen Standards zu benennen, so dass viele Talente unter den Tisch fallen. Wir von Social-Bee greifen genau da ein: Wir setzen uns mit den Ämtern auseinander, wissen welche Möglichkeiten sich aus dem jeweiligen Aufenthaltsstatus ergeben und kümmern uns um die notwendigen Dokumente. Schließlich stellen wir die Geflüchteten bei uns an und überlassen sie unkompliziert an Unternehmen. Für die Geflüchteten wiederum stellt es eine enorme Herausforderung dar, sich mit geringen Sprachkenntnissen in einer fremden Arbeitskultur einzuleben. Unser Bildungsprogramm und die Sozialpädagogin greifen ihnen dabei unter die Arme.Erklären_1

Wie läuft so eine Vermittlung ab?

Wir hinterlegen alle Geflüchteten die auf uns zu kommen in unserer Kartei. Sobald wir eine Jobausschreibung haben, suchen wir darin nach dem passenden Profil. Zusätzlich verbreiten wir die freie Stelle noch in unseren Netzwerken, bestehend aus Arbeitsämtern und Helferkreisen. Passende Kandidaten laden wir nun zum Vorstellungsgespräch bei Social-Bee ein. Dabei geht es darum die Deutschkenntnisse einzuschätzen und Stationen im Lebenslauf abzufragen. Wir lernen uns kennen. Im nächsten Schritt laden wir sie zu einem kleinen „Assessment-Center“ ein. Wir drehen drei 30-Sekungen-Videos, in dem die Geflüchteten leichte Fragen zu ihrer Person beantworten. So bekommt auch das Unternehmen bei dem der Geflüchtete sich letztendlich bewirbt einen ersten Eindruck bekommt. Außerdem gibt es einen kleinen schriftlichen Test: es werden ganz einfache Mathe- und grundlegende Sprachkenntnisse abgefragt.

Da Geflüchtete aus aller Welt auf uns zukommen, können wir nie sagen welches Bildungslevel sie mitbringen. Der Test hilft uns sicher zugehen, dass eine Grundschulbildung vorhanden ist. Wir bereiten alle Informationen über die ausgewählten Kandidaten schön auf. Bringen den Lebenslauf in ein Format, das dem deutschen Standard entspricht und schicken diese mit den Videos zu unserem Kunden. Dieser lädt dann ein oder zwei Kandidaten zu einem Vorstellungsgespräch ein. Wir bereiten unsere Schützlinge natürlich darauf vor und begleiten sie je nach Unternehmen auch zum Termin. Im Idealfall überzeugt der Geflüchtete den Kunden auch live und wird auf mindestens drei Monate gebucht. Wir begleiten den Geflüchteten von diesem Moment an mit Sprachkursen und regelmäßiger sozialpädagogischer Betreuung. Von uns bekommt er einen Lohn, der dem Tarifvertrag der jeweiligen Tätigkeit entspricht und ist sozialversichert. Das Unternehmen unterstützen wir auf Anfrage mit interkulturellen Schulungen und stehen bei Missverständnissen natürlich auch sofort zur Stelle. Gemeinsame Team-Events oder die Vermittlung in Fußballvereine soll den Geflüchteten darüber hinaus helfen im Alltag anzukommen.

Sicher gibt es manchmal Verständigungsprobleme. Wie überwindet Ihr sprachliche und bürokratische Hürden?

Die sprachlichen Hürden sind eher gering, da wir hauptsächlich mit Geflüchteten zusammenkommen, die bereits ihren ersten Deutschkurs hinter sich haben. Nach telefonischer Terminvereinbarung schreiben wir immer noch eine Whats-App Nachricht hinterher. Wir sind generell einfach sehr gut erreichbar und passen uns da auch den Bedürfnissen der Geflüchteten an. Schwieriger zu Meistern sind die bürokratischen Hürden, da die Entscheidung die zu einer Erteilung der Arbeitserlaubnis führen völlig intransparent sind. Wir bekommen immer mehr ein Gefühl dafür bei welcher Behörde welche Normen gelten und könne uns jeden Tag besser darauf einstellen.

Was sind Eure Ziele für die (nahe) Zukunft?

Integration ist ein Vollzeitjob. Wir benötigen dafür mehr Manpower im Büro, um mehr Geflüchtete anzustellen. Wir brauchen konkret 50.000 € als Anschubfinanzierung für 5 neue BüromitarbeiterInnen. Diese können innerhalb eines Jahres für 30 Geflüchtete neue Arbeitsplätze zu generieren. Das Geld für diese neuen Mitarbeiter möchten wir gerne im Crowdfunding einsammeln. Die Kampagne ist in einem Wettbewerb um den Deutschen Integrationspreis eingebunden. Es wäre natürlich ganz toll, wenn wir diesen nach erfolgreichem Abschluss der Kampagne auch noch gewinnen.

 

Noch mehr erfährst Du ganz einfach auf der Webseite von Social-Bee oder ihrer Facebook-Seite.


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