Natürliches Upcycling – vom Abfall zum wertvollen Humus

Natur- und Artenschutz wird in der Öffentlichkeit immer präsenter: Schüler demonstrieren, das Internet wird von Petitionen überschwemmt und in Bayern sorgt das erfolgreiche Volksbegehren Artenvielfalt für Aufsehen. Die Forderungen der Bürger sind deutlich: Die Politik muss auf das Artensterben reagieren und der Landwirtschaft verbindliche Regelungen zu einem umweltfreundlichen Umgang mit der Natur geben.

Doch Veränderung fängt schon im Kleinen an. Anstatt also auf das Handeln von Politikern zu warten, kann jeder Einzelne von uns seinen eigenen Beitrag leisten! In dieser Blogreihe stellen wir Dir verschiedene Möglichkeiten vor, wie Du Deinen Garten, Balkon oder sonstige Naturflächen ganz einfach insekten- und umweltfreundlich gestalten und so Deinen Teil zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen kannst.

Powerfood für Pflanzen

Den eigenen Garten oder Balkon mit vielfältigen Pflanzen auszustatten, ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Um aber einen wirklichen Mehrwert zu schaffen, sind regelmäßig Pflege und Düngung unverzichtbar, denn nur so können die Pflanzen prächtig wachsen und sich gegen Schädlinge durchsetzen.

Mineralische Dünger wie Blaukorn oder Osmocote haben allerdings negative Auswirkungen auf die Natur, denn sie können schnell zu einem Ungleichgewicht innerhalb des Bodens führen: Die Pflanzen werden überdüngt und die Qualität des Bodens leidet unter Nährstoffübersättigung. Durch intensiven Regenfall besteht außerdem das Risiko, dass die Nährsalze dieser Dünger in das Grundwasser gelangen.

Eine ökologische Option bietet der Kompost: Dieser kann in nahezu jedem Garten angelegt werden und der entstandene Humus bietet eine organische Alternative zu Kunstdüngern. Außerdem kann er auch zum Mulchen oder als Pflanzenerde genutzt werden. Humus ist tote, organische Bodensubstanz, welche im Boden weiter zersetzt wird und deshalb eine deutlich längere Wirkung zeigt als Kunstdünger. Er enthält zahlreiche Nährstoffe und ermöglicht eine höhere Wasserspeicherung innerhalb des Bodens. Hinzu kommt die Auflockerung der Erde, was den Pflanzen eine einfachere Verwurzelung und bessere Belüftung ermöglicht. Stauden, Sträucher und viele weitere Pflanzen in Deinem Garten werden durch eine jährliche Humuszugabe langfristig widerstandsfähiger!

Der Weg zum Kompost

Auf dem Kompost können fast alle Gartenabfälle sowie organischer Hausmüll entsorgt und in fruchtbare Erde verwandelt werden. Würmer, Käfer und kleinste Mikroorganismen zersetzen die Abfälle und produzieren so nach und nach Humus. Doch es gibt einige Aspekte, die bei der Anlegung eines Komposts beachtet werden müssen.

Klassischerweise wird ein Kompost einfach aus Holzlatten zusammengenagelt, die optimale Größe liegt meist bei etwa einem Kubikmeter. Der Vorteil ist, dass kein künstliches Material genutzt und der Kompost stets mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird. Für kleinere Gärten gibt es allerdings auch Plastikbehälter, die zur besseren Belüftung mit Löchern versehen sind. Der Kompost muss auf offenem Boden angebracht werden, damit Flüssigkeit abfließen kann und kein Schimmel entsteht. Durch den direkten Bodenkontakt finden so auch verschiedene Bodenbewohner ihren Weg in den Kompost und können bei der Humifizierung helfen – wird der Kompost nach unten hin durch Beton begrenzt, ist dies nicht möglich!

Nagetiere hingegen verunreinigen den Kompost und können ihn sogar unbrauchbar machen! Ein Drahtgitter, das zwischen Boden und Kompost ausgelegt wird, verhindert das Eindringen der Nager und schützt den Kompost.

Vielfältige und abwechslungsreiche Materialien

Eine gemischte Zusammensetzung innerhalb des Komposts hilft dabei, möglichst nährstoffreichen Humus zu gewinnen. Deshalb sollte beim Füllen des Komposts darauf geachtet werden, verschiedene Schichten entstehen zu lassen. Am Boden sorgen Holzspäne dafür, dass Feuchtigkeit aufgenommen wird. Feine und grobe Gartenreste sollten sorgfältig durchmischt werden, bei sperrigen Ästen und Büschen empfiehlt es sich außerdem, diese vorab zu zerkleinern.

Um den Rottevorgang zu beschleunigen, kann immer wieder fertiger Humus zwischen die einzelnen Schichten gemischt werden, da dieser bereits wichtige Mikroorganismen enthält. Ist noch kein Humus vorhanden, kann Kompostbeschleuniger zugegeben werden. Dieser kann fertig gekauft werden und besteht meist aus Stickstoff, Kalium und verschiedenen Enzymen. Er lässt sich aber auch ganz einfach selbst herstellen: Dafür wird ein Würfel Hefe mit bis 500 – 1.000 Gramm Zucker in zehn Liter Wasser gelöst und schließlich über dem Kompost ausgebracht. Auch das Ausstreuen von Gesteinsmehl oder Algenkalk fördert die Entstehung von nährstoffreichem Humus.

Der Standort für den eigenen Kompost muss ebenfalls sorgfältig gewählt werden: Steht er in der prallen Sonne, trocknet der Inhalt aus und entwickelt schnell unangenehme Gerüche. Im Schatten wiederum kann der Kompost zu nass werden, wobei wichtige Nährstoffe ausgeschwemmt werden. Ein halbschattiger Platz bietet gute Voraussetzungen, um diese Probleme zu vermeiden. Legt man den Kompost im Schutz eines Baums oder einer Hecke an, wird er zusätzlich vor Witterungen bewahrt – dennoch sollte er nicht im komplett windstillen Bereich liegen, damit der Sauerstoff ausreichend zirkulieren kann.

Kompost ist keine Biotonne

Alles, was zuvor in den Beeten gewachsen ist und sämtliche weitere Gartenabfälle dürfen in den Kompost. Samen von Unkräutern sollten lieber entsorgt werden, da diese nicht zersetzt werden und beim Verteilen des Humus wieder auf den Beeten landen. Pflanzen, die von Krankheiten wie Mehltau befallen sind, können bedenkenlos ebenfalls auf den Kompost. Nur bei Schädlingsbefall sollten die Abfälle weggeworfen werden, da sich viele Schädlinge in der Komposterde nur noch weiter vermehren.

Auch pflanzliche Produkte aus der Küche wie Salate, Kartoffelschalen, aber auch Kaffee und Tee können zu Humus verarbeitet werden. Eierschalen sind ebenfalls eine Bereicherung für den Kompost, da sie sehr kalkhaltig sind. Allerdings sollte man sie vorab zerkleinern, um den Mikroorganismen die Arbeit zu erleichtern.

Vorsicht geboten ist bei Obstschalen von gekauften Früchten! Gerade exotische Früchte wie Bananen, Melonen oder Papayas sollten lieber in der Biotonne entsorgt werden, da sie oft gespritzt sind und diese Schadstoffe in die Erde bringen. Bei BIO-Obst muss man sich darum keine Gedanken machen. Lediglich Zitrusfrüchte sollten nur in geringem Maß auf dem Kompost landen, da sie zu einer Übersäuerung der Erde führen können. Auch große Mengen an Herbstlaub sollten nur portionsweise in den Kompost gelangen, da er sonst zu nass werden kann.

Auf keinen Fall dürfen gekochte Lebensmittel, Fleisch, Fisch oder Knochen auf den Kompost, da diese Ratten und Mäuse anlocken. Auch schimmelnde Produkte, Papier, Öl und Fett gehören in den Restmüll und würden im Kompost nur Schaden verursachen.

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Aus Abfall wird Humus

Ein komplett gefüllter Kompost hat anfangs maximal eine Höhe von etwa 150 cm und wird am Ende mit Erde, Rasenschnitt oder Laub bedeckt. Schon nach ein paar Wochen ist zu beobachten, dass der Inhalt einsackt. Wichtig ist es jetzt, den Kompost nicht komplett sich selbst zu überlassen, damit Austrocknen oder Schimmel vermieden wird. Etwa alle drei Monate muss er deshalb umgesetzt, also durchgemischt, werden. So wird die Feuchtigkeit regelmäßig verteilt und die Sauerstoffzufuhr wieder angekurbelt. Nach sechs Monaten ist mit dem ersten Frischkompost zu rechnen. Dieser ist noch sehr grob und eignet sich deshalb vorwiegend als Mulch. Aber nach zehn bis zwölf Monaten ist er endgültig reif: Die Abfälle haben sich in feine, dunkle Erde verwandelt, die angenehm nach Wald riecht! Der fertige Humus kann nun im Garten verstreut werden, am besten zunächst Anfang des Jahres intensiv und dann im Laufe des Jahres nach Bedarf.

Kompost auf dem Balkon?

Ein eigener Garten ist keinesfalls Voraussetzung für einen Kompost – auch Balkonbesitzer können ihren eigenen Humus herstellen. Eine Möglichkeit ist der Wurmkomposter: Hier werden Küchenabfälle in einer Box mit Hilfe von Kompostwürmern zersetzt. Die Wurmkiste kann fertig gekauft werden und besteht meist aus Holz oder Kunststoff. Da sie komplett verschlossen ist, kann sie in geschlossenen Räumen aufbewahrt werden und bei richtiger Anwendung entsteht kein unangenehmer Geruch. Es ist auch möglich, den Komposter selbst zu bauen, im Internet finden sich zahlreiche Anleitungen dazu. Vertikale Wurmkisten bestehen aus mehreren Schichten, sodass sich die Würmer von unten nach oben arbeiten können und der fertige Humus direkt aus der untersten Schicht entnommen werden kann. Der Kompost sollte nicht zu trocken sein, aber auch stehende Nässe muss vermieden werden, damit die Kompostwürmer nicht ertrinken. Kisten aus Kunststoff haben deshalb einen Ablasshahn, über den überschüssige Flüssigkeit abgezapft werden kann. Diese ist übrigens ebenfalls ein nahrhafter Dünger!

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Du willst noch mehr wissen?

Das Buch “Urban Gardening” von Yohan Hubert (Ulmer Verlag) bietet einen ersten Einblick, welche Methoden zur Kompostierung auf dem Balkon angewandt werden können – so kann auch bei wenig Platz eigener Humus gewonnen werden. Weitere Informationen zur Anlegung eines Komposts gibt außerdem das Buch “Mein summendes Paradies” von Cynthia Nagel (GU Verlag): Zahlreiche Tipps und Erfahrungen bieten Einsteigern eine gute Orientierung, worauf bei einem eigenen Kompost zu achten ist.


Zuvor in dieser Blogreihe erschienen:

Aus grau mach’ bunt – mit den Waffen der Guerilla Gärtner
Viele Pflanzen, wenig Platz – So wird der Balkon vielfältig
Insektenhotels und Nisthilfen
Vom Boden bis zur Blüte – ein Insektenparadies entsteht
Grow wild – vom englischen Rasen zum Insektenparadies

Bildquellen:
Kompostschichten: Pierre.hamelin – Eigenes Werk (CC BY-SA 4.0)

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