Kartoffelkombinat – Ein Gemeinschaftsunternehmen für Nachhaltigkeit

In unserer Serie über Social Startups stellen wir diesmal eine Idee vor, welche die Lebensmittel-Verpackungsstruktur in Frage stellt: Das Kartoffelkombinat. Wie das funktioniert und warum sie das überhaupt machen, hat Lennart von nearBees in einem Interview mit Jana vom Kartoffelkombinat besprochen.

Wer seid Ihr und was ist Euer Konzept?

Das Kartoffelkombinat ist eine Gruppe von aktuell 750 Münchner Haushalten, die wissen wollen, wo und wie das Gemüse angebaut wurde, das sie konsumieren. Wir haben uns zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen und kümmern uns selbst um den Anbau. Alle Mitglieder (Genossen) garantieren die Abnahme aller erzeugten Lebensmittel und übernehmen die damit entstehenden Kosten wie Saatgut, Löhne, Logistik, etc. und finanzieren diese im Voraus. Damit stellen wir uns neben die aktuell vorherrschende Struktur der Lebensmittelversorgung und treten den Beweis an, dass man gemeinwohlorientiert wirtschaften und gleichzeitig Lebensmittel lokal und ökologisch produzieren kann. Unser Ziel ist es, die Versorgungsstruktur grundlegend zu verändern, in diesem speziellen Fall für den Raum München. Wir wollen eine Alternative zum aktuell existierenden Wirtschaftskonstrukt aufbauen und beweisen, dass man, wenn man es möchte, als Gruppe, als Gemeinde, als Nation auch andere Wege gehen kann. Es ist nicht immer so alternativlos, wie immer behauptet wird.

Woher kam die Idee für das „Kartoffelkombinat“?

Aus einem Alltagsfrust. Wir (Daniel und Simon, die beiden Gründer) haben damals, 2011, festgestellt, das wir in relativ ähnlichen Situationen in unserem Leben waren und beide etwas in Sachen Nachhaltigkeit bewegen wollen und beschlossen, dass wir zusammen ein Gemeinschaftsunternehmen gründen wollen. Zunächst dachten wir an eine innovative Einkaufsgemeinschaft für Bioprodukte. Als wir uns damit beschäftigt haben, sind wir auf das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft gestoßen, dass uns noch mehr überzeugt hat.

Welche Herausforderungen musstet Ihr seit der Gründung meistern?

Die größte Herausforderung war bisher die Suche nach einer neuen Gärtnerei und der anschließende Umzug von Eschenried nach Schönbrunn. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir sogar noch einmal umziehen – diesmal aber in unsere eigene Gärtnerei. Somit hätten wir dann auch endlich ein zukunftsträchtiges Zuhause für das Kartoffelkombinat gefunden..

Was vermittelt ihr in euren Seminaren?

Vor dem Hintergrund globaler Zusammenhänge und Herausforderungen wie dem Klimawandel, globaler Gerechtigkeit und ganz aktuell der Flüchtlingssituation sind wir uns bewusst, dass unser Handeln, und ganz wichtig auch unser Nicht-Handeln, Konsequenzen hat. Nicht nur für den Einzelnen und dessen Umfeld, sondern auch für andere. Um hinterfragen zu können, muss man Zugang zum notwendigen Wissen haben und die richtigen Kompetenzen aufbauen. Dieses Wissen möchten wir in unserer regelmäßig stattfindenden Kartoffelakademie vermitteln. Noch mehr Informationen zur Akademie gibt´s hier.Frisches Gemüse direkt von Nebenan. Transparent, fair, lecker.

Warum ist Regionalität und gemeinschaftliche Produktion so wichtig?

Die meisten unserer Lebensmittel haben eine weite Reise hinter sich. Nicht nur die Umweltschädigung, die ein langer Transport mit sich bringt, sondern auch die Tatsache, dass es in ärmeren Ländern weniger Kontrollen gibt und billiger produziert werden kann, machen einen regionalen Anbau absolut notwendig.

Durch gemeinschaftliche Produktion und Anbauplanung haben kleine, lokale Erzeuger eine echte Perspektive. Wir (die Mitglieder) nehmen ihnen den Vermarktungsdruck, geben Planungssicherheit und bestimmen mit, was wann und wie angebaut wird. Wir sind somit selbst „Quasi-Produzenten“ statt nur Kunden.

Was ändert sich nun durch den Erhalt des Testats Anfang Februar?

Mit dem Testat ist auch eine Bewertung verbunden und wir haben da relativ gut abgeschnitten. Dadurch ist eine gewisse Vergleichbarkeit mit anderen, gemeinwohlorientierten Unternehmen besser möglich. Für uns ist das ein gutes Instrument, um unser Tun zu durchleuchten und es stetig zu verbessern.

Was sind Ziele für die (nahe) Zukunft?

Wir haben kürzlich einen Verein gegründet, der allmählich Fahrt aufnimmt und sich u.a. um den Ausbau der besagten Kartoffelakademie kümmern wird. Außerdem konzentrieren wir uns derzeit auf die Suche nach einem neuen, eigenen Betrieb und wir möchten eine Bäckerei in eine Genossenschaft umstrukturieren.

Wer mehr erfahren möchte, sollte unbedingt auf der Website des Kartoffelkombinats oder deren Facebook Seite vorbeischauen.


Neben dem Kartoffelkombinat könnt ihr in unserem Blog noch weitere StartUps und andere interessante Konzepte aus dem Bereich Social Food & Co finden:

Social-Bee – Integration leicht gemacht
Spicebar – Hochwertige Biogewürze
MYO – DIY Möbel neu gedacht
3bears – Porridge genau richtig
NourEnergy e.V. – Deutschlands erster muslimischer Umweltschutzverein
O’pflanzt is!
– Ein Gemeinschaftsgarten in München
Food Assembly – Gib Deinem Bauern die Hand
Das Tiffin Projekt – Weniger Verpackungsmüll mit Leihsystem
Feierabendglück – Das wahrscheinlich nachhaltigste Kochbuch der Welt
Tilmans Biere – Traditionelles Bier mit internationalen Einflüssen
nebenan.de – Für mehr Lebensqualität in der Nachbarschaft
Der Bienenretter – Naturkosmetik mit Bienenprodukten
Über den Tellerrand kochen – Wohlschmeckende Flüchtlingshilfe
Green Lab – Der Dünger aus der Schokoladenfabrik
Regional Markt München – Frisches vom Hof nach Haus
ugly fruits – Der Laden für besondere Früchte
Kuchentratsch – Kuchen aus München mit Liebe gemacht

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