Kann das weg? – Der richtige Umgang mit Unkraut

Natur- und Artenschutz wird in der Öffentlichkeit immer präsenter: Schüler demonstrieren, das Internet wird von Petitionen überschwemmt und in Bayern sorgt das erfolgreiche Volksbegehren Artenvielfalt für Aufsehen. Die Forderungen der Bürger sind deutlich: Die Politik muss auf das Artensterben reagieren und der Landwirtschaft verbindliche Regelungen zu einem umweltfreundlichen Umgang mit der Natur geben.

Doch Veränderung fängt schon im Kleinen an. Anstatt also auf das Handeln von Politikern zu warten, kann jeder Einzelne von uns seinen eigenen Beitrag leisten! In dieser Blogreihe stellen wir Dir verschiedene Möglichkeiten vor, wie Du Deinen Garten, Balkon oder sonstige Naturflächen ganz einfach insekten- und umweltfreundlich gestalten und so Deinen Teil zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen kannst.

Unerwünschte Begleiter

Sind die richtigen Pflanzen für den eigenen Garten gefunden, ist die Arbeit noch nicht zu Ende. Die Pflege der Pflanzen ist wichtig, damit sie prächtig wachsen und sich keine Schädlinge ausbreiten. Schnell werden sich aber neben den geplanten Blumen, Sträuchern und Stauden auch wildwachsende Pflanzen ausbreiten. Spricht man von diesen wilden Gewächsen, fällt meist das Wort Unkraut. Unkraut ist kein botanischer Name, sondern eine Bezeichnung für Wildpflanzen, die vom Menschen nicht gezielt angepflanzt wurden und dessen Ordnung stören. Es sind also unerwünschte Gewächse, die sich zwischen den sorgfältig angelegten Pflanzen ausbreiten. In der Natur gibt es deshalb kein Unkraut! Verschiedene Kräuter, aber auch Gräser, Moose und Blumen werden dazu gezählt und oft sorgfältig entfernt. Es gibt aber auch viele Pflanzen, die früher als Unkraut angesehen und erst mit der Zeit als Nutzpflanzen erkannt wurden. Dazu zählen unter anderem Hafer, Roggen, Tomaten, Buchweizen und auch Feldsalat. Da viele Gärtner Unkraut mit einer ausschließlich schädlichen Pflanzen in Verbindung bringen, versucht man immer mehr diesen Begriff durch Wörter wie Beikraut oder Wildkraut abzulösen.

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Versteckte Talente

Unkraut wird oft aus ästhetischen Gründen entfernt, aber auch, weil es zu viel Raum einnehmen kann. Wachsen zu viele ungewollte Pflanzen in den Beeten, nehmen sie anderen Gewächsen Licht, Nährstoffe und Wasser – sie können also ihre Lebensgrundlage gefährden. Dennoch ist auch die vollkommene Entfernung von Unkräutern nicht nur zeitaufwendig, sondern hat auch negative Auswirkungen auf die Natur. Denn hinter dem Begriff Unkraut verbergen sich zahlreiche Wildkräuter und -blumen, die einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten. Ihre Pollen und ihr Nektar sind eine reichhaltige Nahrungsquelle für Bienen, Schmetterlinge und weitere Insekten. Aber nicht nur Nützlinge werden von Unkräutern angezogen, auch Schädlinge können durch Wildkräuter von den eigentlichen Gartenpflanzen ferngehalten werden.

Außerdem geben die jeweiligen Pflanzen hilfreiche Auskünfte über den Boden, auf dem sie wachsen: Quecken und Hahnenfußgewächse finden man meist auf schweren und undurchlässigen Böden; Brennnesseln und Kerbel hingegen bevorzugen Standorte, die viele Nährstoffe bieten. Beobachtet man, wo welche Unkräuter oft auftreten, kann man also einen guten Einblick in die Beschaffenheit des Bodens bekommen und so passende Standorte für Kulturpflanzen finden.

Viele Unkrautarten können zum Verzehr oder als Heilpflanzen genutzt werden, da sie oft einen hohen Anteil an Vitamin C und Bitterstoffen enthalten. Bei Entschlackungskuren sind Wildkräuter deshalb die ideale Ergänzung und es gibt viele Möglichkeiten, wie sie eingesetzt werden können. Vogelmiere und Löwenzahn ergänzen Salate mit einem intensiven Geschmack, außerdem sind sie reichhaltige Eisenlieferanten. Bärlauch, Gänseblümchen, Giersch und Waldmeister ergeben leckere Tees und können auch beim Würzen zum Einsatz kommen. Aber auch in Smoothies oder Suppen sorgen essbare Unkräuter für eine ausgewogene Zufuhr an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen. Der herb-würzige bis bittere Geschmack gefällt nicht jedem. Dieser lässt sich aber durch Apfel- oder Zitronensaft gut ausgleichen.

Eingrenzen statt Vernichten!

Der Umgang mit Unkraut sollte einer sanften Regulierung entsprechen: Es muss nicht alles entfernt werden, aber natürlich soll noch ausreichend Platz für andere Pflanzen bleiben. Wilde Ecken sind eine gute Möglichkeit, um Unkraut Platz einzuräumen. Dafür werden Teile des Gartens, die nicht genutzt werden, sich selbst überlassen. Möglich sind zum Beispiel Plätze an Zäunen oder Randstreifen. Mehr zu den wilden Ecken findest Du hier.

Vorbeugende Maßnahmen ersparen außerdem viel Mühe. Da das Wildkraut vorwiegend auf freien Flächen wächst, kann es durch Mulchen unterdrückt werden. Dabei werden organische Materialien wie Rasenschnitt, Häckselgut oder Stroh auf den Beeten verteilt, sodass die Samen der Unkräuter kein Licht abbekommen und nicht keimen können. Unkraut, das durch Hacken oder Jäten entfernt wurde, kann ebenfalls als Mulch genutzt werden und einfach auf dem Beet liegen bleiben. Das gilt allerdings nicht für samende Wildkräuter, da diese sonst wieder zu keimen beginnen. Auch auf dem Kompost sollten diese Pflanzen nicht entsorgt werden, denn die Samen werden nicht zersetzt und sonst beim Ausbringen des Humus wieder auf den Beeten verteilt.

Gerade bei mehrjährigen Wurzelunkräutern (z.B. Acker-Schachtelhalm, Acker-Winde oder Giersch) muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Wurzeln vollkommen aus dem Boden entfernt wurden, um ein Nachwachsen zu verhindern. Auf Blumenwiesen ist das Entfernen von Löwenzahn während der Blüte teilweise sogar sehr nützlich, denn so gibt es weniger Konkurrenz für Pflanzen, die einen mageren Boden bevorzugen. Entfernte Wildpflanzen können auch als Dünge- und Pflanzenschutzmittel genutzt werden, indem beispielsweise eine Jauche oder ein Auszug hergestellt wird. Viele Wildkräuter wie Brennnesseln oder Beinwell geben dabei zahlreiche Nährstoffe ab. Weitere Infos dazu, wie ein Pflanzenauszug hergestellt wird, erfährst Du hier.

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Leben und leben lassen

Auf keinen Fall sollten Herbizide oder sonstige chemische Bekämpfungsmittel zur Entfernung von Unkraut genutzt werden. Wie auch mineralische Pflanzenschutzmittel, greifen diese nämlich massiv in das natürliche Ökosystem des Gartens ein. Der Boden kann dadurch Schaden nehmen und auch nützliche Insekten werden abgetötet oder vertrieben. Gerade empfindliche Kulturpflanzen werden durch die Veränderung des Bodens geschwächt und verkümmern vielleicht sogar. Daraufhin können sich Unkräuter noch weiter ausbreiten.

Das Abflammen oder Übergießen mit heißem Wasser ist eine schnelle, unkomplizierte Methode. Allerdings werden werden dabei nicht nur die Unkräuter beseitigt: Die gesamte Bodenstruktur wird dadurch zerstört und mit ihr alle Pflanzen und Lebewesen! Deshalb sollte darauf nur zurückgegriffen werden, wenn außer der Unkräuter keine weiteren Pflanzen wachsen, beispielsweise bei Ritzen in Betonplatten. Gerade an solchen Stellen, an denen die Wildkräuter keine Bedrohung für Kulturpflanzen darstellen, können sie aber auch einfach stehen gelassen werden – so spart man sich Arbeit und fügt der Umwelt keinen Schaden. Außerdem haben viele Unkräuter farbenfrohe Blüten und schaffen so eine bunte Abwechslung auf dem grauen Beton!

Du willst noch mehr wissen?

In “Lob des Unkrauts” von Brunhilde Bross-Burkhardt (Haupt Verlag) werden die nützlichen und auch schönen Seiten des Unkrauts in den Vordergrund gerückt. Das Buch gibt einen Einblick, wie vielfältig Wildkräuter eingesetzt werden können und wie ihr Auftreten den Tieren, aber auch anderen Pflanzen helfen kann. “Unkräuter” von Gerhard Bedlan (Cadmos Verlag) ist ein Nachschlagewerk, in dem vor allem die Rolle der Unkräuter im Gartenbau und in der Landwirtschaft zentral sind. Anhand zahlreicher Abbildungen und Beschreibungen hilft das Buch, Unkräuter zu identifizieren und effektiv gegen sie vorzugehen.


Zuvor in dieser Blogreihe erschienen:

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Kann das weg? – Der richtige Umgang mit Unkraut
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