Honig – Von der Wabe in den Beutel

Honig auf dem Brot, Honig im Kuchen, Honig im Salatdressing. Honig ist vielseitig einsetzbar und kann bei vielen Speisen eine tolle Ergänzung sein. Doch, wie wird er eigentlich gewonnen? Was muss ein Imker beachten bevor, während und nachdem der Honig geerntet wurde? Zweimal im Jahr kann ein Imker im Idealfall seine süße Ernte eintragen, einmal im Frühjahr die Frühtracht und dann wieder im Juli den Sommerhonig. Dieser Beitrag versucht all diese Fragen zu beantwortet und Dir einen Einblick in die aufwändige Arbeit des Imkers geben. 

Wie kommt der Honig in die Wabe?

Die Sammelbienen, die ältesten Bienen im Staat, sind außerhalb des Bienenstocks unterwegs und immer auf der Suche nach Blüten, die ihnen Nektar und Pollen schenken. Wenn sie eine Blüte gefunden haben, dann saugen sie den Nektar mit ihrem Rüssel auf, versetzen ihn dadurch mit ersten Enzymen und speichern ihn ihrem Honigmagen. Dabei beginnen sie schon mit der Umwandlung in Honig. Zusätzlich geben viele Pflanzen auch Pollen ab, der zur Bestäubung dient. Diesen verstauen die Bienen in ihren Pollenhöschen am letzten Beinpaar. Während sie so von Blüte zu Blüte fliegen und Nektar und Pollen sammeln, bestäuben sie mit den Pollen an den Hinterbeinen die Blüten.Biene an Blüte

Neben Blütenhonigen gibt es aber auch Honigtauhonig. Dieser wird auch als Waldhonig bezeichnet und besteht im Gegensatz zu Blütenhonig nicht aus Blüten, sondern aus den stark zuckerhaltigen Ausscheidungen, dem Honigtau, von Blattläusen. Waldhonig gibt es nicht in jedem Jahr, da dafür ganz bestimmte Bedingungen notwendig sind. Folgt nach ausgiebigem Regen warmes Wetter, fühlen sich Blattläuse sehr wohl und saugen an Blättern, Nadeln und Rinde der Bäume und scheiden einen Teil des süßen Pflanzensaftes als Honigtau wieder aus. Der wird sehr gerne von den Bienen aufgenommen, da er sehr energiereich ist.

Sind Honigmagen und Pollenhöschen mit Nektar oder Honigtau gut gefüllt, begeben sich die Bienen wieder zurück zu ihrem Stock. Dort übergeben sie ihre wertvolle Fracht an im Stock lebende Bienen, die den Nektar weiter mit Enzymen anreichern und anschließend in eine Zelle geben. Dort wird er gelagert, bis er im Winter gebraucht wird. Da der Nektar anfangs einen viel zu hohen Wasseranteil hat, trocknen die Bienen ihn durch die Wärme im Stock immer weiter, bis sie ihn für reif befinden. Erst dann werden die Zellen mit einem Wachsdeckel verschlossen. So kann der Honig einige Wochen oder sogar Monate gelagert werden. Dies ist dann das Zeichen für den Imker.Bienen im Stock

Was passiert danach mit dem Honig?

Um Honig entnehmen zu können, muss man ein starkes Volk haben, daher wird nur der Honig von Wirtschaftsvölkern, nicht aber von Ablegern, also neu geschaffenen Völkern, entnommen. Würde man den Ablegern ihren Honig nehmen, würden sie nicht über den Winter kommen, da sie nicht so viele Bienen haben, die Nektar eintragen und den Verlust ausgleichen können. Bei einem Wirtschaftsvolk können pro Jahr etwa 20 kg Honig geerntet werden, wandert man zusätzlich zu besonders ergiebigen Trachtquellen, wie Raps, kann man diesen Ertrag sogar noch steigern.

Bei der Entnahme der Waben muss der Imker den richtigen Zeitpunkt abwarten. Denn wenn der Honig einen zu hohen Wasseranteil aufweist, fängt er schnell an zu gären und kann nicht mehr verwendet werden.  
Um herauszufinden, ob ein Honig reif ist, gibt es einen einfachen Trick: Der Imker schaut sich einfach die Honigwaben an. Sind zwei Drittel oder mehr Zellen verdeckelt sind, so ist der Honig reif und kann geerntet werden. Wenn dies der Fall ist, können die Waben entnommen werden und dann anschließend auf Brut, Beschädigungen, Schädlinge und Schimmel untersucht werden.verdeckelter Honig

Wie bekommt man den Honig aus den Waben heraus?

Der Prozess des Honiggewinnens ist aufwändig und mit viel Arbeit verbunden. Zunächst müssen die Waben entdeckelt werden. Dazu benutzt der Imker die sogenannte Entdeckelungsgabel und schiebt damit den Wachsdeckel von der Waber herunter. Alternativ kann das Deckelwachs auch geschmolzen werden. Dann folgt das Schleudern. Dazu werden die Waben in eine Schleuder eingespannt und gedreht. Durch die Zentrifugalkraft wird der Honig aus den Waben herausgeschleudert und läuft dann am Rand der Schleuder herunter und sammelt sich im unteren Teil. Anschließend muss der Honig gesiebt und abgeseiht werden. Der Grund dafür ist, dass sich in dem Honig noch Wachspartikel und kleiner Verunreinigungen wie Pollen und Propolis befinden. Nach einigen Tagen hat sich auf dem Honig eine Schicht aus Wachspartikeln und Luftblasen gebildet, die dann ganz einfach abgeschäumt werden kann.

Manche Honige kristallisieren sehr schnell aus. Dies gilt speziell für Frühtrachthonige, die daher meist cremig gerührt werden. Dazu wird der Honig etwa 5 Tage ein bis zweimal am Tag umgerührt. Dadurch brechen die großen Zuckerkristalle auseinander und der Honig wird nicht so fest. Wenn Dein Honig aber doch mal zu fest werden sollte, dann kannst Du ihn einfach in einem Wasserbad bei höchsten 40°C erwärmen oder ein wenig umrühren. Dadurch wird er auch wieder flüssiger und lässt sich besser verstreichen. Abgefüllt und richtig gelagert hält sich Honig ewig. Er sollte nicht zu warm stehen und ein undurchsichtiges Gefäß erhält die lichtempfindlichen Enzyme länger im Honig.

Neben dem beschriebenen Verfahren gibt es auch noch andere Wege den Honig zu verarbeiten. Zum Beispiel kann der Honig auch gestampft werden. Diese Methode wird heutzutage nicht mehr so häufig verwendet, war aber, bis zur Erfindung der Honigschleuder, weit verbreitet. Dabei werden die Waben gestampft, wodurch der Honig austritt. Eine andere Variante ist der Wabenhonig. Dabei wird der Honig gar nicht aus der Wabe herausgeholt, sondern direkt mit der Wabe zusammen gegessen.Honigschleuder

Wenn Du nun das nächste Mal Deinen Honig von Nebenan kostest, dann denke immer daran wie viel Arbeit die Bienen und auch der Imker in die Herstellung, Gewinnung und Verarbeitung Deines Honigs gesteckt haben und genieße ihn noch mehr.

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