Honig-Industrie-Weltmacht China

Im März fand in Chengdu die “China Bee Products Industry Conference”, eine Konferenz zu chinesischen Bienenprodukten, statt. Bei der Konferenz zu Gast: Walter Haefeker, Präsident des europäischen Berufsimkerverbandes, der in der aktuellen Ausgabe der Imkerfachzeitschrift ADIZ seine Eindrücke in einem lesenswerten Feature niedergeschrieben hat.
Wir haben seinen interessanten Bericht zusammengefasst und mit weiteren Fakten zum Honig-Export-Weltmeister China ergänzt.

Bei der Ankunft waren laut Haefeker weder Sonne, noch der Himmel zu sehen, so dicht stand der Smog über der Stadt – man kann sich gesündere Arbeits-Bedingungen für Bienen vorstellen… Im Hotel mit gefilterter Luft, stimmten die chinesischen Honighändler dann ein Loblied auf die “wunderbaren natürlichen Bienenprodukte” aus China an. Die anschließenden Fachvorträge europäischer Imkereiexperten zeichneten da ein krasses Gegenbild: eindringlich warnten sie davor, dass die chinesische Honigproduktion den weltweiten Ruf von Honigprodukten beschädigen könnte. Einigkeit sieht anders aus, doch wieso ist der Ruf der chinesischen Imkereien so schlecht?

“Honigfabriken” statt “Imkereien”

Um die Befürchtungen der Europäer zu verstehen, muss man sich mit den wesentlichen Qualitätsmerkmalen von Honig befassen. In der deutschen Honigverordnung ist festgehalten, dass der Honig einen Wassergehalt von 20% nicht übersteigen darf. Der Deutsche Imkerbund setzt für die Vermarktung im DIB-Glas sogar einen Wassergehalt von unter 18% voraus. Das hat gute Gründe: Wenn Honig zu viel Wasser enthält, kann er schnell zu gären beginnen, was ihn ungenießbar macht. So muss jeder Imker vor der Schleuderung den Wassergehalt seines Honigs in den Waben messen. Ist der Wassergehalt zu hoch, lässt man den Honig im Stock und die Bienen trocknen ihn weiter. Doch dafür brauchen sie Zeit – Zeit, die die Bienen in China nicht bekommen. Dort wird der Honig teilweise mit einem Wassergehalt von bis zu 30% entnommen und anschließend maschinell getrocknet und ultrafein gefiltert. So haben Hefen, die für die Gärung verantwortlich sind, keine Chance. Aber auch Geschmack und gesunde Inhaltsstoffe bleiben bei dieser Behandlung auf der Strecke – kein Wunder, dass diese Praxis der Honiggewinnung in Deutschland nicht zulässig ist und in China nicht von Imkereien sondern von “Honey Factories”, also Honig-Fabriken gesprochen wird: Honig ist in China Industrie-Ware.

Eine kurze Gegenrechnung macht ebenfalls stutzig: verteilt man den Eigenbedarf der Chinesen an Honig und Exporte ins Ausland auf die Anzahl chinesischer Bienenvölker, so kommt man auf “astronomische Erträge” pro Volk, wie Haefeker feststellt. Sein Verdacht liegt daher nahe, dass der Honig großzügig mit Reissirup gestreckt wird. Gemäß der deutschen Honigverordnung wäre das natürlich nicht zulässig, da Honig weder Stoffe entzogen, noch hinzugefügt werden dürfen.Honig12

Niedrige Honig-Preise zerstören europäischen Markt

Die “Honig-Produktion” boomt in China – mit knapp 26% der globalen Honigproduktion sind die Chinesen die größten Honigexporteure der Welt – und das obwohl sie historisch keinen starken Bezug zu Honig haben. Ihr Vorteil: günstige Preise. Ein großer Abnehmer des chinesischen Honigs ist Deutschland. So wurden im Jahre 2015 7.500 Tonnen Honig aus China importiert – damit folgt China Mexiko und der Ukraine als dritthäufigstes Herkunftsland.
Die chinesischen Referenten der Konferenz klagen ihrerseits über hohe Lebensmittel-Standards und strenge Kontrollen in Deutschland. Diese scheint es in China in dieser Form nicht zu geben, weshalb selbst die eigene Bevölkerung dem chinesischen Honig misstraut. Die wohlhabende Mittelschicht Chinas legt immer mehr Wert auf qualitativ hochwertige Lebensmittel und so fließt der Honig nun oft auch in die andere Richtiung: chinesische Gourmet-Einkäufer schätzen die Qualität des deutschen Honigs. Billiger chinesischer Honig wird nach Europa exportiert, hochwertiger europäischer Honig importiert. Vertrauen und Wertschätzung in den eigenen Honig sieht anders aus…
Auch der Dachverband der EU-Landwirte (Copa Cogeca) warnt daher vor chinesischem Importhonig, der den europäischen Markt überschwemmt und hält bis zu 30% des chinesischen Importhonigs für Fälschungen. Mit niedrigen Preisen, auf Grund von geringeren Lohn- und Herstellungskosten, steht der ausländische Honig im freien Markt automatisch in Konkurrenz zum deutschen Honig. Während Hobby-Imker hierzulande mit dem Honigverkauf meist nur ihre Ausgaben decken wollen, müssen Berufsimker mit der Imkerei ihren Lebensunterhalt verdienen. Für sie können niedrige Preise schnell zur Existenzbedrohung werden. Chinesischer Importhonig ist also nicht nur qualitativ schlechter, sondern schadet auch den deutschen Honigerzeugern. Einmal mehr gilt hier: Honig aus der Nachbarschaft ist definitiv die bessere Wahl!


Den ursprünglichen Bericht von Walter Haefeker aus der ADIZ findest Du hier.

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