Food Assembly – Gib Deinem Bauern die Hand

Gute Produkte direkt von Erzeugern aus Deinem Umland – das bekommst Du mit Deinem Beitritt zu einer Food Assembly, einem Einkaufsportal für regionale Lebensmittel. Food Assembly ist aber zugleich auch ein lokaler Markt, bei dem die Landwirte und Lebensmittel-Handwerker selbst vor Ort sind. Was es damit auf sich hat und wie das alles funktioniert, erfährst du in dem Interview von Sabrina mit Laure von Food Assembly:

Wer seid Ihr und was ist Euer Konzept? Woher kam die Idee zu “Food Assembly”?

Food Assembly ist ein sozial und ökologisch orientiertes Unternehmen, das eine zukunftsfähige Lebensmittelherstellung und ein neue nachhaltige Wirtschaftsbeziehungen fördern will. Durch eine Mischung aus Online-Shop und Marktspaziergang werden Verbraucher und regionale Lebensmittelproduzenten auf neuen Wegen zusammengebracht. Food Assembly stellt eine transparente Plattform zur Verfügung, die kurze Vertriebswege für kleine Erzeuger schafft und Kunden den Zugang zu hochwertigen regionalen Produkten gibt.

Jede Food Assembly ist im Grunde eine lokale Nachbarschafts-Gemeinschaft. Sie wird jeweils von einem Gastgeber aufgebaut und wöchentlich organisiert. Die regionalen Erzeuger kommen in direkten Kontakt mit Konsumenten, die ihre Produkte wertschätzen.

Das Food Assembly Projekt wurde 2010 in Frankreich gestartet, wo bereits über 700 regionale Märkte entstanden sind. Seit April 2014 arbeitet mit vollem Herzen das deutsche Team (Veronica, Marla, Kathrin und Laure) in Berlin an der Anpassung und der Umsetzung des Konzepts in Deutschland. Die erste deutsche Assembly wurde im Juli 2014 geöffnet, mittlerweile sind es 18 aktive Assemblies bundesweit und 25 im Aufbau, die stets wachsen.

Warum ist Food Assembly für Landwirte und Lebensmittel-Handwerker so vorteilhaft?

Die Anbieter der Assemblies sind Bauern und Lebensmittelhandwerker aus der Region, die nachhaltig und qualitätsorientiert produzieren. Food Assembly unterscheidet sich stark von anderen Vermarktungsmöglichkeiten, indem sie durch ihre Technologie (Internet-Plattform) jedem Erzeuger mehr Planungssicherheit und weniger Risiko gewährleistet. Die Erzeuger können flexibel mitmachen, je nach Saison, Angebot und Verfügbarkeit.

Die kürzere Marktzeiten (eine Verteilung dauert 2 Stunden) lassen den Erzeugern für die  Anbau oder Produktionsarbeit genug Zeit übrig.

Darüber hinaus wird bei Food Assembly wird nur geerntet und geliefert, was bestellt und vorab bezahlt wurde. Die Lebensmittel werden nicht unnötig transportiert. Und der Erzeuger hat die Sicherheit, dass die Fahrt sich lohnt und dass er nichts wegschmeißen wird. Für kleine Erzeuger, die präzise wirtschaften müssen, ist es ein wichtiger Punkt.

Schließlich freuen sich die Erzeuger auf den direkten Kontakt zu den Kunden. Sie können erfahren, wie die Produkte schmecken, und ihr Angebot am besten anpassen.

Welche Herausforderungen musstet Ihr seit der Gründung meistern?

Das deutsche Konsumverhalten unterscheidet sich von dem französischen, daher musste die Kommunikation und ein paar Details angepasst werden. Im ersten Jahr musste sowohl für Erzeuger als auch für Konsumenten viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Nun besteht ein kleines Netzwerk als Grundlage und wir können es stetig weiter ausbauen.

Dazu haben wir uns mit typischen Startup-Herausforderungen befassen müssen. Wir arbeiten noch, das Team vor Ort aufzubauen und auszubilden.

Wie viele Nutzer sind auf Eurer Website derzeit angemeldet?

Am Tag, wo ich diese Frage beantworte, zählt die Food Assembly 15.049 Nutzer.

Wie könnt Ihr mit Food Assembly für Transparenz und Vertrauen in der Lebensmittelherstellung sorgen?

Transparenz und Vertrauen werden bei Food Assembly auf 2 Ebenen geschaffen.

Erzeuger, die sich bei der Food Assembly registrieren, müssen eine ausführliche und  transparente Hofbeschreibung ihrer Tätigkeit verfassen, in der sie ihre Arbeitsmethoden, Philosophie und Standards genau beschreiben. Diese Beschreibung ist sowohl für Gastgeber, wie auch für Mitglieder sichtbar. Das Team von Food Assembly und die Gastgeber nehmen persönlich Kontakt mit den Erzeugern auf und verbinden dies mit einem Hofbesuch. Nur Produzenten, die zu den “Werte und Ziele” von Food Assembly passen, werden auf der Plattform freigeschaltet.

Die zweite Ebene ist der Aufbau einer langfristigen Beziehung bestehend aus Transparenz und Vertrauen. Vertrauen wird aufgebaut durch den persönlichen Kontakt zwischen Erzeuger, Kunde und Gastgeber bei der Wöchentlichen Übergabe der Produkte. Die Erzeuger sind stets persönlich anwesend, können Fragen beantworten, Lob und Tipps entgegennehmen. Online Direktvermarktung wird kombiniert mit persönlichem Austausch, aus Transparenz entsteht Vertrauen.

Was sind Ziele für die (nahe) Zukunft?

Wir wollen einen Wandel in der Lebensmittelwirtschaft in Gang bringen und zum Erfolg einer neuen Form des Wirtschaftens beitragen. Indem die einzelnen Assemblies die Lebensmittelherstellung und den Konsum wieder an die Region binden, in der die Produkte hergestellt werden, unterstützten sie nachvollziehbare und faire Produktions und Handelsketten.

Im Hinblick auf diese Ziele arbeiten wir erstmal daran, das Food Assembly Netzwerk weiter auszubauen, um flächendeckend eine alternative Einkaufsmethode in Deutschland zu bieten. Dafür suchen wir ständig neue GastgeberInnen, die in ihrer Region eine Assembly aufbauen möchten und damit sich für eine bessere Zukunft einsetzen wollen und gleichzeitig ein spannendes unternehmerisches Projekt entwickeln wollen.

Wir sehen uns als Teil einer gesellschaftlichen Bewegung für nachhaltige (Land-) Wirtschaft. Dabei möchten wir lokale Wertschöpfung vorantreiben, Biodiversität fördern und ökologisches Bewusstsein in der Esskultur schaffen.

 

Wenn Du mehr über Food Assembly erfahren möchtest, dann schau doch einfach auf die Homepage oder die Facebookseite von Food Assembly Deutschland.

Update (22.02.2017): Neuer Name, aber alles wie gewohnt. Die Food Assembly heißt ab sofort „Marktschwärmer“ und ist unter marktschwärmer.de erreichbar.


Neben Food Assembly könnt Ihr in unserem Blog noch weitere Startups und andere interessante Konzepte aus dem Bereich Social Food & Co finden:

Social-Bee – Integration leicht gemacht
Spicebar – Hochwertige Biogewürze
MYO – DIY Möbel neu gedacht
3bears – Porridge genau richtig
NourEnergy e.V. – Deutschlands erster muslimischer Umweltschutzverein
O’pflanzt is!
– Ein Gemeinschaftsgarten in München
Das Tiffin Projekt – Weniger Verpackungsmüll mit Leihsystem
Feierabendglück – Das wahrscheinlich nachhaltigste Kochbuch der Welt
Tilmans Biere – Traditionelles Bier mit internationalen Einflüssen
Kartoffelkombinat – Ein Gemeinschaftsunternehmen für Nachhaltigkeit
nebenan.de – Für mehr Lebensqualität in der Nachbarschaft
Der Bienenretter – Naturkosmetik mit Bienenprodukten
Über den Tellerrand kochen – Wohlschmeckende Flüchtlingshilfe
Green Lab – Der Dünger aus der Schokoladenfabrik
Regional Markt München – Frisches vom Hof nach Haus
ugly fruits – Der Laden für besondere Früchte
Kuchentratsch – Kuchen aus München mit Liebe gemacht

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