Das Insektensterben

Das Bienensterben ist inzwischen weitläufig bekannt. Natürlich sind es nicht nur die Bienen, sondern auch allerlei andere Nützlinge, die jedes Jahr unsere Pflanzen besuchen und uns so von Frühjahr bis Herbst mit frischem Obst und Gemüse versorgen.

Der Entomologische Verein Krefeld hat mit einer Studie bestätigt, was viele schon beobachtet haben: die Zahl der Insekten ist stark geschrumpft. Für den Rückgang der nützlichen Tiere gibt es verschiedenste Gründe. Die Landwirtschaft spielt dabei möglicherweise ein große Rolle, ebenso der Klimawandel oder tierische Feinde, wie die Varroamilbe. Doch Hilfe kommt aus den unterschiedlichsten Richtungen. Die Biene hat also noch eine Chance: Wenn sich der Mensch seiner Rolle als maßgeblicher Verursacher bewusst wird und im Sinne der Bienen und Insekten Maßnahmen entwickelt den Rückgang aufzuhalten.

Die Bedeutung der Biene

Laut einer Statistik des Deutschen Imkerbundes gab es im Jahr 2017 in Deutschland rund 800.000 Bienenvölker. Zum Vergleich: Im Jahr 1900 lag diese Zahl noch bei 2,6 Millionen. Dabei steigt aber die Zahl der Bienen, die zur Bestäubung benötigt werden, fünf mal schneller als die Zahl der lebenden Bienen. Etwa achtzig Prozent unserer Pflanzen benötigen Bienen und andere Insekten als Bestäuber. Da all diese Bestäuber zu unterschiedlichen Zeiten fliegen und auf verschiedene Blüten spezialisiert sind, bildet sich von Frühjahr bis Herbst eine Vielzahl unterschiedlicher Früchte aus. Die Honigbienen erledigen einen Großteil dieser Arbeit und gelten daher als das drittwichtigste Nutztier nach Schwein und Rind: Etwa ein Drittel unserer Lebensmittel hängen direkt von der Bestäubung der Biene ab. Allein beim Betrachten dieser Zahlen wird klar, welchen Stellenwert die Bienen und bestäubenden Insekten haben.Biene-auf-Blüte

75 Prozent in 27 Jahren

Unzählige ehrenamtliche Insektenkundler des Entomologischen Vereins Krefeld, darunter auch international anerkannte Forscher, haben über 27 Jahre hinweg Fluginsekten in speziellen Fallen gesammelt und gezählt. Bei der Auswertung kam heraus, dass in weniger als dreißig Jahren die Insektenmasse um 75% geschrumpft ist. Diese Daten lassen sich dem Verein zufolge auf ganz Deutschland übertragen und liefern den Beleg dafür, dass das Insektensterben ein großflächiges und sogar ein globales Problem ist. Trotz kritischer Stimmen, die die Glaubwürdigkeit ehrenamtlich erhobener Daten und die Übertragbarkeit auf andere Gebiete in Zweifel ziehen, muss man den Hobby-Entomologen eines zugutehalten: sie haben die Aufmerksamkeit der breiten Masse erreicht und sorgen somit dafür, dass die Menschen nun gezwungen werden, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen und Lösungen zu finden um dem Sterben entgegenzuwirken.

Warum sterben die Insekten überhaupt?

Neben der intensiven Landwirtschaft sind mehrere andere Faktoren für das Insektensterben verantwortlich. Monokulturen im ländlichen Raum versorgen Insekten nicht mehr ausreichend mit Futter und die Diskussion um Glyphosat und andere Insektenschutzmittel ist in vollem Gange. Jedoch gab es dort bislang wenige Fortschritte, vor allem auch deswegen, weil die Nutzung von Glyphosat in Deutschland kürzlich um weitere fünf Jahre verlängert wurde. Ein weiterer Faktor für den Rückgang der Insekten ist, dass große Felder meist nur noch von wenigen sehr kleinen Feldrändern, Hecken oder Ähnlichem umgeben sind, die als Rückzugsorte für Insekten nicht mehr ausreichen. Die zunehmende Bebauung vormaliger Grünflächen auf dem Land nimmt den Insekten weitere wichtige Habitate. Auch das wärmere Klima im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung schadet den Insekten. Und im Fall der Bienen sind auch “natürliche” Schädlinge wie die Varroamilbe, die eigentlich in Südostasien beheimatet ist und nur durch die Globalisierung ihren Weg in die westliche Welt fand, für die Zahl der Bienen mitverantwortlich. Die Vielfalt an möglichen Ursachen für das Insektensterben zeigt, dass nicht ein einzelner oder eine Gruppe speziell verantwortlich ist, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren der Rückgang zu erklären ist. Momentan wird untersucht, wie die einzelnen Ursachen Einfluss nehmen auf Insekten, da es noch keine repräsentativen Studien gibt.Biene-mit-Varroa

Wie kann den Bienen geholfen werden?

Viele Menschen setzen sich schon heute für Insekten und speziell Bienen ein. Dafür muss man nicht mal selbst imkern, sondern kann auf Balkonen oder im Garten bienen- und insektenfreundliche Pflanzen säen. Auch in dem man heimische und lokale Imker unterstützt und den Honig von Nebenan kauft, hilft man den Bienen in der Region. Insektenhotels bieten Tieren, die sonst keinen Unterschlupf finden würden, einen Rückzugsort. Auch die Stadtimkerei ist ein immer größer werdender Trend, der Bienen in den Städten durch Parks und begrünte Balkone neue Möglichkeiten eröffnet. Nach und nach findet auch in der Landwirtschaft langsam ein Umdenken statt: immer mehr Bauern und Gemeinden setzen sich für Bienen und andere Insekten ein, indem sie brachliegende und sonst ungenutzte “Eh da-Flächen” begrünen und mit insektenfreundlichen Blumen bepflanzen. Und auch seitens invasiver Schädlinge winkt neue Hoffnung: Forscher der Universität Hohenheim haben nun möglicherweise ein effektives Mittel für Bienen und gegen den Befall von Varroamilben entdeckt. Erste Tests haben gezeigt, dass Lithiumchlorid ein wirksames Mittel gegen den Schädling sein könnte.

Das Insektensterben und der dramatische Rückgang der Bienen hat gezeigt, dass sich etwas ändern muss. Ein Lichtblick zeigt sich darin, dass die Zahl der Bienenvölker in den letzten zehn Jahren nicht weiter gesunken ist. Im Gegenteil: laut Deutschem Imkerbund ist die Zahl der Völker in Deutschland seit 2013 sogar wieder leicht gestiegen. Ein Aufwärtstrend ist erkennbar, dennoch muss noch mehr zum Schutz der kleinen Tiere getan werden. Wenn jeder einen kleinen Beitrag zum Erhalt der Biene leistet, dann sind wir auf einem guten Weg wieder ein Gleichgewicht im Ökosystem herzustellen.

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