Bienenliebling Robinie: Baum des Jahres 2020

Weiße, traubenförmige und betörend duftende Blüten – daran erkennt man die Robinie (Robinia pseudoacacia). Du kennst sie vermutlich eher unter den Namen Akazie oder Scheinakazie. Der sommergrüne Baum und Bienenliebling wurde zum Baum des Jahres 2020 gekürt. Doch damit löst die umstrittene Baumart rege Diskussionen aus: insbesondere Umweltschützer und Förster kritisieren, dass die Robinie keine einheimische Pflanze ist.

Schnell, fruchtbar, genügsam

Die aus Nordamerika stammende Robinie wächst extrem schnell und kann bis zu 25 m hoch werden. Von Mai bis Juni bildet sie zahlreiche weiße, traubenförmige Blüten. Nach der Blütezeit wachsen an den Zweigen lange, flache, graubraune Samenhülsen, die jeweils ca. zwölf Samen enthalten. Sobald diese im September reif sind, fallen sie entweder aus den Hüllen oder werden vom Wind davongetragen. 

Die Samen der Robinie sind bis zu 30 Jahre lang keimfähig. Selbst nachdem die Mutterpflanze gestorben ist, können aus ihnen noch viele neue Robinien wachsen.

Eine Gefahr für die heimische Flora?

Die Robinie hat geringe Ansprüche an ihre Umgebung – sie wächst sowohl auf sandigem, als auch auf lehmartigen und kalkhaltigen Boden. Interessant ist außerdem, dass sie quasi selbstdüngend ist. Ihre Wurzeln treten in Symbiose mit den im Boden enthaltenen Bakterien, wodurch Luftstickstoff im Boden fixiert werden kann. Auf diese Weise verdrängt sie die heimische Flora, da stickstoffempfindliche Pflanzen neben ihr eingehen. Umweltschützer und Förster problematisieren entsprechend, dass es sich bei der Robinie um eine invasive Neophyte handelt – eine nicht einheimische Pflanze, die die heimische Flora verdrängt.

Robinie

… oder doch der Baum der Zukunft?

Sobald die Blüten der Robinie von Mai bis Juni blühen, können Bienen ihnen nur schwer widerstehen. Die Blüten duften intensiv nach Bergamotte und weisen einen hohen Zuckergehalt auf. So locken sie zahlreiche Bienen an und stellen eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten dar. Und nicht nur die Bienen fliegen auf Robinie! Der helle bis goldgelbe und mild schmeckende Robinienhonig steht bei vielen Honigliebhabern hoch im Kurs.

Auch die Eigenschaft einer Pionierbaumart macht die Robinie zu einer sehr geschätzten Art. Aufgrund ihrer Genügsamkeit kann sie auf gerodeten oder zerstörten Bodenflächen gepflanzt werden und hilft dadurch bei der Wiederaufforstung. Die Robinie besitzt ebenfalls eine hohe Toleranz gegenüber dem Klimawandel, was einen bedeutender Vorteil gegenüber anderen Pflanzen darstellt. 

Und auch für die Forst- und Holzwirtschaft ist ihr Holz eine wichtige Ressource. Sie wächst schnell und hat hartes Holz, welches Eichenholz ähnelt und häufig als Ersatz für Tropenholz genutzt wird. 

Die positiven und negativen Eigenschaften der Robinie machen es schwer, ein eindeutiges Fazit zu ziehen. Für die heimische Flora und Fauna sowie für unterschiedliche Berufsgruppen ist sie Freund und Feind zugleich. Diese Vielgesichtigkeit macht die Robinie zu einer spannenden Wahl für den Baum des Jahres 2020. 

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