Wildbiene: Auen-Schenkelbiene

Neben den domestizierten Honigbienen gibt es weltweit etwa 20.000 Wildbienenarten. Anders als die Honigbienen sind die meisten Wildbienen nicht staatenbildend, sondern leben in kleinen sozialen Einheiten: sie sind quasi die Singles unter ihren Artgenossen.

Wildbienen werden sehr selten zur Bestäubung von Pflanzen eingesetzt, obwohl einige Arten aufgrund einer Jahrtausende langen Entwicklung eine innige Symbiose mit bestimmten Pflanzen eingegangen sind. Deshalb können sie diese besonders gut bestäuben – manche Wildbienen sogar nur als einzige Art. Stirbt diese Bienenart, stirbt auch die Pflanze aus.

In unserem Blog kannst Du Vertreter der über 500, in Deutschland heimischen, Wildbienenarten kennen lernen. Viel Spaß beim Lesen!

Beschreibung

Die Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea) besitzt einen glänzend schwarzen Körper und wird 7 bis 12 mm lang. Die Männchen erkennt man an dem gelben Kopfschild und den verdickten Hinterschenkeln. Daher stammt auch der Name “Schenkelbiene”. Das auffällige an den Weibchen hingegen sind die samtigen Polster, bestehend aus dichten Haaren an den Hinterbeinen, mit denen sie das abgesonderte Öl von Pflanzen aufnehmen und dann zu den Sammelbürsten umlagern. Anders als andere solitär lebende, pollensammelnde und nestbauende Bienen sammelt die Schenkelbiene keinen Nektar, sondern ein Öl für die Brutzellen. Deswegen wurde die Auen-Schenkelbiene zur Biene des Jahres 2020 gewählt! Vermengt mit Pollen füttert sie diesen besonders energiereichen “Ölkuchen” an ihre Nachkommen. Zur Eigenversorgung benötigen sie trotzdem Blüten, die Nektar enthalten.

Ursprung, Habitat und Verbreitung

Die Auen-Schenkelbiene ist, wie der Name schon sagt, häufig in Auengebieten vorzufinden. Sie kommt von Europa bis Süd-Schweden und Süd-Finnland vor. Auch in Deutschland kann man sie bis ca. 1 000 m Höhe finden. Sie nistet in selbst gegrabenen Gängen in der Erde und bevorzugt eher feuchte Standorte:  Hochwasserdämme, Auwälder, Gewässerräume und Moore. Versteckt unter Grasbüscheln oder Ähnlichem werden die Nester an Böschungen oder Erdabbrüchen errichtet. Weltweit sind bisher 16 Arten bekannt. 

Auen-Schenkelbiene

Verhalten und Lebensweise

Die Auen-Schenkelbiene ist oligolektisch und sammelt nur an ölabsondernden Gilbweidericharten. Ihre Hauptnahrungsquelle ist der Gewöhnliche Gilbweiderich (Lysimachia) oder alternativ auch der Punkt-Gilbweiderich (Lysimachia punctata). 

Bei den ersten vier bis fünf Sammelflüge wird ausschließlich Öl für die Anlage einer Brutzelle gesammelt. Damit werden dann die Wände der Brutzelle getränkt und imprägniert: Die Brut wird vor Feuchtigkeit und Schimmel geschützt. Das Öl und die Pollen der nachfolgenden Sammelflüge wird für die Verproviantierung der Zelle verwendet. Pro Nest werden eine bis acht Brutzellen angelegt. Das Besondere an der Biene ist, dass sich die Männchen der beiden heimischen Arten oft in Gilbweiderich-Blüten zusammentreffen und dort schlafen.

Die Auen-Schenkelbiene beginnt ihre Flugzeit im Juli und ist bis September aktiv.

Als Kuckucksbiene ist die Schmuckbiene (Epeolus coecutiens) bekannt.


Weitere Arten der Wildbiene, die wir bereits vorgestellt haben, findest Du hier:

Die Hosenbiene
Die Frühe Lockensandbiene
Die Frühlings-Schmalbiene
Die Efeu-Seidenbiene
Die Gemeine Furchenbiene
Die Blutweiderich-Sägehornbiene
Die Gemeine Trauerbiene
Die Zweifarbige Sandbiene
Die Frühlings-Seidenbiene
Die Rotbeinige Lockensandbiene
Die Gelbbindige Furchenbiene
Die Gehörnte Mauerbiene
Die Heidekraut-Seidenbiene
Die große Holzbiene
Die Rote Mauerbiene
Die Luzerne-Blattschneiderbiene
Die Rotpelzige Sandbiene
Die Gemeine Pelzbiene
Die Zaunrüben-Sandbiene

Header: Macropis europaea, female. Location: Rhenen – Blauwe Kamer (The Netherlands) (CC BY 3.0)
Bild 1: Macropis europaea (Copyrighted free use)

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