Vom Boden bis zur Blüte – ein Insektenparadies entsteht

Natur- und Artenschutz wird in der Öffentlichkeit immer präsenter: Schüler demonstrieren, das Internet wird von Petitionen überschwemmt und in Bayern sorgt das erfolgreiche Volksbegehren Artenvielfalt für Aufsehen. Die Forderungen der Bürger sind deutlich: Die Politik muss auf das Artensterben reagieren und der Landwirtschaft verbindliche Regelungen zu einem umweltfreundlichen Umgang mit der Natur geben.

Doch Veränderung fängt schon im Kleinen an. Anstatt also auf das Handeln von Politikern zu warten, kann jeder Einzelne von uns seinen eigenen Beitrag leisten! In dieser Blogreihe stellen wir Dir verschiedene Möglichkeiten vor, wie Du Deinen Garten, Balkon oder sonstige Naturflächen ganz einfach insekten- und umweltfreundlich gestalten und so Deinen Teil zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen kannst.

Genau hinschauen lohnt sich

Das bloße Aussäen heimischer Pflanzen und Wildblumen reicht nicht aus, um einen insektenfreundlichen Garten zu schaffen. Der Standort, die Bodenbeschaffenheit und die Konkurrenz durch andere Gewächse sind entscheidend für das Überleben Deiner Pflanzen.

Anfangs ist es deshalb wichtig, den Garten genau unter die Lupe zu nehmen: Wie viele Sonnen- und Schattenplätze bietet er? Wie ist der Boden beschaffen? Auch ein Blick in die Natur kann weiterhelfen, die richtigen Pflanzen für den eigenen Garten ausfindig zu machen. Wächst eine Blume in freier Wildbahn stets auf steinigem, sonnigem Gelände, so wird sie an einem humosen, schattigen Standort  kaum Überlebenschancen haben.

Die korrekte Standortwahl beeinflusst Wachstum und Gedeihen einer Pflanze maßgeblich: Eine ungeeignete Umgebung macht sie anfällig für Schädlinge und fordert unnötig Pflege und Arbeitsaufwand.Gerade Gartenneulinge sollten sich deshalb ausreichend Zeit für die Gartenplanung nehmen und im Zweifel zunächst auf robuste Pflanzen zurückgreifen.

1Sonnenblume

Der Boden als Erfolgsgrundlage

Auch der zur Verfügung stehende Boden entscheidet über die sinnvolle Pflanzenwahl. Ein insektenfreundlicher Garten wünscht sich so wenig Fremdeinfluss wie möglich. Ist das Ökosystem intakt, wird ein Großteil der organischen Abfälle durch Würmer und Käfer zersetzt und ihre unterirdischen Wege sorgen für eine natürliche Auflockerung des Bodens. Gärtnerische Pflege ist dennoch nötig, allerdings wird diese schnell einfacher, wenn mit der Natur gearbeitet wird und nicht gegen sie. Wurde der Boden vorab regelmäßig stark bearbeitet und mit chemischen Mitteln versetzt, so sollte man ihm ausreichend Zeit zur Selbstregulation geben.

Viele Wildkräuter und -blumen wachsen bevorzugt auf magerem bis steinigem Boden, in  geringer Konkurrenz durch andere Pflanzen. Ist der Boden zu lehm- oder auch wasserhaltig, werden sie oft nicht richtig wachsen. Auch bei der Umwandlung eines humosen, nährstoffreichen Rasens zur Blumenwiese empfiehlt es sich deshalb, die vorhandenen Gräser größtenteils zu entfernen und den Boden zusätzlich mit Sand abzumagern.

Wilde Ecken

Wie ein insektenfreundlicher Garten aufgebaut ist, hängt ganz von der verfügbaren Fläche und Lage ab. Wilde und kontrolliert wachsende Bereiche sollten allerdings immer in einer ausgeglichenen Balance stehen. Wilde Ecken oder auch Inseln sind bei Insekten sehr beliebt und können in jedem Garten umgesetzt werden. Diese Bereiche werden möglichst sich selbst überlassen, sodass sich verschiedene Pflanzen entwickeln können. Die Aussaat von Bienenweidesamen erhöht das Angebot solcher Flächen und schafft bunte Blumeninseln. Wenn nicht ausreichend Platz für solche wilden Bereiche verfügbar ist, können auch einzelne Inseln mit Klee, Gänseblümchen und weitere Blüten beim Rasenmähen stehen gelassen werden, die somit weiterhin eine Futterquelle bieten. Wilde Ecken sollten nicht betreten werden, da viele der Pflanzen Tritten nicht standhalten. Als Spielwiese sind sie deshalb nicht geeignet und sollten besser an Randbereichen angelegt werden.

2Stauden

Volle Staudenvielfalt

Sommerblumen sind eine schnelle Futterquelle, aber viele von ihnen blühen nur einjährig und eignen sich vorwiegend, um Lücken zu schließen. Mehrjährige Stauden sind deshalb der nächste Schritt für einen langfristig insektenfreundlichen Garten. Akelei, Blutweiderich, Glockenblume und viele weitere Staudengewächse beeindrucken nicht nur mit ihren farbenfrohen Blüten, sondern sind bei Bienen und Schmetterlingen beliebte Nahrungsquellen. Stauden finden sich für verschiedenste Bodenarten und alle Standorte, bei der Bepflanzung sollte man auf die Blütezeit achten, sodass es das ganze Jahr über ein reiches Angebot gibt. Ehrenpreis und Eisenhut haben beispielsweise eine sehr lange Blütezeit, die fast den gesamten Sommer andauern kann. Nieswurz (auch als Christrose bekannt) wiederum ist die ideale Winterbepflanzung: Von Dezember bis Februar kann man seine Blüten bewundern.

Gehölze für Mensch und Tier

Bäume und Sträucher bieten ebenfalls vielseitige Nahrung – sowohl für Insekten als auch für den Menschen! Im Garten können Holunder, Himbeer- oder Johannisbeersträucher als Grundstücksbegrenzung und Sichtschutz eingesetzt werden. Birnen- und Apfelbäume bieten außerdem ideale Schattenplätze. Die Beeren und Früchte verschiedenster Gehölze sind auch bei Vögeln beliebt, dazu gehören zum Beispiel die Vogelbeere und die Kornelkirsche. In ihren Verästelungen finden Käfer, Spinnen und Bienen einen Unterschlupf und Schutz vor Fressfeinden.

Wasser – ein spannender Lebensraum

An und in Wasserstellen herrscht ein reges Treiben, deshalb ist es ratsam, vorhandene Tümpel nicht zu entfernen. Fliegen, Libellen und weitere Insekten sind hier regelmäßig zu beobachten. Aber auch Bienen stillen ihren Durst am ruhigen Wasserrand. Um ausreichend Schutz zu bieten, sollte die Bepflanzung der Wasserstelle deshalb hochwachsend sein. Äste und Moos geben Fluginsekten ausreichend Landemöglichkeiten, um ein Ertrinken zu verhindern. Wichtig ist außerdem, dass das Wasser tief genug ist und im Winter nicht komplett einfriert.  Sind keine natürlichen Wasserstellen im Garten vorhanden, kann ein Naturteich angelegt werden, dafür sind aber vorwiegend große Gärten geeignet. Für kleine Wasserstellen können deshalb auch Wannen oder Holzbottiche genutzt werden, hier bieten sich Blutweiderich und Pfeilkraut als passende Bepflanzung an. Ein größerer Teich mit einer Tiefe von mindestens 60 cm kann auch durch Seerosen und Blumenbinsen ergänzt werden.

Steinige und trockene Flächen

Ein vielseitiges Nahrungsangebot ist für Insekten wichtig, aber eine zu dichte Bepflanzung sollte vermieden werden: Sonnenplätze werden sonst verdeckt und trockene Standorte gehen verloren! Viele Käfer und Wildbienen nutzen aber gerade die trockenen, sandigen Flächen als Nistplätze, um dort ihre Tunnel zu graben. Auch in Trockenmauern, die aus lose aufeinandergestapelten Steinen bestehen, tummeln sich Mauerbienen, Wespen und viele andere Insekten. Die Fugen zwischen den einzelnen Steinen bieten nicht nur Schutz vor Feinden, sondern auch vor Wind und Wetter. Steht die Mauer an einem sonnigen Platz, ist sie außerdem der perfekte Wärmespeicher und wird gerne als Nistplatz genutzt.

5Mauer

Lass Dich nicht entmutigen, wenn die Umgestaltung Deines Gartens etwas dauert. Gerade wenn er zuvor keinerlei Nahrung geboten hat, braucht es Zeit, bis das Leben wieder zurückkehrt – aber das Warten lohnt sich!

Du willst jetzt schon mehr wissen?

In dem Buch “Mein summendes Paradies” (GU Verlag) erzählt Cynthia Nagel von der Verwandlung ihres Gartens von der trostlosen Schotterwüste zu einem wahren Insektenparadies. Pflanzenprofile und Beispielbilder machen diese Ratgeber zu einer spannenden Lektüre, aus der man viel für die eigene Gartenplanung lernen kann. Bei der Suche nach der richtigen Pflanzenauswahl bietet das Buch “Was wächst wo?” von Didier Willery (Ulmer Verlag) einen umfassenden Überblick: Insgesamt 1900 verschiedene Pflanzen werden hier ausführlich vorgestellt! Die Sortierung reicht von herkömmlichen Kriterien, wie Wuchsgröße und Standort, bis hinzu Blüten- und Blätterfarbe oder Fruchtart. Einen anderen interessanten Ansatz bietet “Blackbox Gardening” von Reif und Kreß (Ulmer Verlag). Der Garten wird hier durch sich selbst versamende Pflanzen dynamisch gestaltet und kann sich so möglichst frei selbst gestalten. So werden auch einzelne Spalten und Fugen mit Pflanzen gefüllt.


Zuvor in dieser Blogreihe erschienen:

Grow wild – vom englischen Rasen zum Insektenparadies

  Zur Übersicht