Honigverfälschung – das flüssige (Falsch-)Gold der Bienen

Die Deutschen sind Weltmeister im Honigessen: Im Durchschnitt werden hierzulande jährlich 1,1 kg des flüssigen Goldes der Bienen konsumiert. Die etwa 120.000 hiesigen Imker mit ihren knapp 830.000 Bienenvölkern können diesen Bedarf aktuell jedoch bei weitem nicht decken. Nur etwa 20 Prozent des konsumierten Honigs stammt tatsächlich aus Deutschland. Der große Rest – Honig im Wert von 251 Millionen Euro – wird aus fernen Ländern, wie Argentinien, Mexiko, der Ukraine oder China, importiert.

Während billige Konkurrenz aus dem Ausland in anderen Bereichen meist “nur” ein Problem für die hiesigen Erzeuger darstellt, bedroht sie im Fall von Honig mittelbar auch die Artenvielfalt in unserer Natur. Denn angesichts der konkurrenzlosen Importware fällt es vielen Imkern schwer ihren Honig zu einem fairen Preis zu vermarkten. Mittelfristig wäre ein weiterer Rückgang der Bienen zu befürchten – mit verheerenden Folgen für die Artenvielfalt in unserer Natur.

Die Deutsche Honigverordnung

Die Deutsche Honigverordnung regelt hierzulande den Verkauf von Honig. Für den Import und Export von Honig gelten zudem europaweit strenge Regeln, die 2001 in einer Richtlinie über Honig festgehalten wurden.

Trotz dieser Regularien und häufigen Kontrollen steht Honig – und hierbei fast ausschließlich gewerblich importierter Honig – auf Platz 6 der Produkte, die in Deutschland am häufigsten vom Lebensmittelbetrug betroffen sind.

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Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern

Leider gilt in Deutschland eine sehr lockere Deklarationspflicht bezüglich der Herkunft von Honig. Während “Honig von Nebenan” oder vom Imker ums Eck mit detaillierten Informationen rund um die Entstehung und Zusammensetzung des Honigs aufwartet, schreibt der Gesetzgeber generell nur die Kennzeichnung mit einem Herkunftsland oder einer Herkunftsregion (z.B. Deutschland oder Bayern) vor.

Die große Menge an importiertem Honig wird daher meist nur unspezifisch als Mischung “aus EU-Ländern”, “aus Nicht-EU-Ländern” oder “aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern” gekennzeichnet. Ob es sich bei einem Gebirgsblütenhonig wirklich um ein heimisches Produkt aus den Alpen handelt und nicht – was sehr viel wahrscheinlicher ist – um billig importierte Ware aus den argentinischen Anden, ist für den Verbraucher nur schwer ersichtlich.

Honigimport

Honig – mehr als nur Zuckerwasser

Honig besteht je nach Sorte aus etwa 80 Prozent Zucker, 20 Prozent Wasser und bis zu 3 Prozent geschmacksgebenden pflanzlichen Proteinen, Enzymen und Mineralien.

Wird Honig mit Zuckersirup gestreckt, eine Straftat, die in regelmäßigen Abständen vom deutschen Zoll oder von Verbraucherschutzministerien aufgedeckt wird, hat das nicht nur Auswirkungen auf den Geschmack: die gesundheitsfördernde Wirkung des Honigs fehlt.

Während Honigverfälschungen mit Saccharose in früheren Jahren recht einfach nachgewiesen werden konnten, greifen Fälscher heutzutage oft auf Reissirup, dessen Isotop-Struktur dem von Honig sehr ähnlich ist, zurück. Um Importeure und Händler des Betrugs zu überführen, müssen die Kontrolleure daher auf sehr kostspielige und komplizierte Verfahren zurückgreifen.

Gut Ding will Weile haben

Laut Deutscher Honigverordnung ist Honig “der natursüße Stoff, der von Honigbienen erzeugt wird, indem die Bienen Nektar von Pflanzen […] aufnehmen, durch Kombination mit eigenen spezifischen Stoffen umwandeln, einlagern, dehydratisieren und in den Waben des Bienenstocks speichern und reifen lassen”. Die Konzentration des Nektars zu Honig (mit einem Wassergehalt von unter 20 Prozent) und dessen langsames Reifen in den Wachszellen des Bienenstocks beeinflussen Geschmack und Qualität dabei maßgeblich.

Eine weitere Methode der Gewinnmaximierung zu Lasten der Verbraucher ist daher die verfrühte Ernte des Honigs und anschließende industrielle Trocknung. In Deutschland ist diese “künstliche Trocknung”, anders als beispielsweise in China, nicht erlaubt. Derartig industriell verarbeiteter Honig weist gleich in mehreren Punkten eine minderwertige Qualität auf: durch die vorzeitige Entnahme kann der Honig nicht im gleichen Maß mit Vitaminen und Enzymen angereichert werden. Zudem macht der hohe Wassergehalt oftmals eine Pasteurisation, also eine sehr hohe Erhitzung, notwendig, die die wenigen enthaltenen gesunden Inhaltsstoffe zerstört.   

Qualität durch transparente Herkunft

Die Überführung gezielte Verfälschungen und andere qualitätsmindernde Verfahren werden wohl auch in Zukunft die staatliche Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutzministerien auf Trab halten. Eine verbesserte gesetzliche Kenzeichnungspflicht bezüglich der Herkunft und des Verarbeitungsgrads von Honig könnten mittelfristig jedoch bereits zu einer erheblichen Besserung führen. Was dem mündigen und qualitätsbewussten Verbraucher bleibt, ist der Konsum von lokalem und regionalem Honig: einem naturbelassenen Qualitätsprodukt.

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