Fit für den Winter

Natur- und Artenschutz wird in der Öffentlichkeit immer präsenter: Schüler demonstrieren, das Internet wird von Petitionen überschwemmt und in Bayern sorgt das erfolgreiche Volksbegehren Artenvielfalt für Aufsehen. Die Forderungen der Bürger sind deutlich: Die Politik muss auf das Artensterben reagieren und der Landwirtschaft verbindliche Regelungen zu einem umweltfreundlichen Umgang mit der Natur geben.

Doch Veränderung fängt schon im Kleinen an. Anstatt also auf das Handeln von Politikern zu warten, kann jeder Einzelne von uns seinen eigenen Beitrag leisten! In dieser Blogreihe stellen wir Dir verschiedene Möglichkeiten vor, wie Du Deinen Garten, Balkon oder sonstige Naturflächen ganz einfach insekten- und umweltfreundlich gestalten und so Deinen Teil zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen kannst.

Garten und Balkon richtig überwintern

Die Blumen sind ausgeblüht, die Tomaten geerntet und die Temperaturen sinken. Jetzt ist es an der Zeit, Garten und Balkon winterfest zu machen! Laub wegkehren, Holzschnitte durchführen, Boden harken und ein letztes Mal vor dem nahenden Winter den Rasen mähen. Aber manchmal ist weniger auch mehr – vor allem für die Tiere. In diesem Beitrag zeigen wir Dir, wie du Deinen Balkon oder Deinen Garten insektenfreundlich winterfest machst und was sonst noch alles wichtig für die kalte Jahreszeit ist. 

Es gibt einige wichtige Arbeiten, die auf jeden Fall durchgeführt werden sollten. Insgesamt sollte aber nur so wenig wie nötig gemacht werden. Das Laub zum Beispiel kann ruhig zusammengekehrt und so Ordnung in den Garten gebracht werden, aber dabei sollten unbedingt auch Laubhaufen stehen gelassen werden. Dort können Igel, Mäuse und andere Kriechtiere einen Unterschlupf finden und überwintern. Auch für kälteempfindliche Pflanzen eignet sich das Laub gut als Isolierung. Teiche sollten ebenfalls von heruntergefallenen Blättern befreit und Seerosen zugeschnitten werden: Blätter verbrauchen Sauerstoff und bilden Faulgase, die für die Teichbewohner im Winter gefährlich werden können.

Laub Herbst Garten

Kübelfplanzen und Balkonkästen an geschützten Standorten überwintern oder ordentlich frostsicher machen. Die Stängel von Stauden nicht abschneiden! Samentragende Pflanzen bieten Vögeln im Winter Futter und die hohlen Stängel werden gerne von Insekten zur Überwinterung genutzt. Abgeschnittene Äste müssen nicht entsorgt werden, sondern können zu einem Haufen gestapelt Schutz für kleine Lebewesen bieten. Des weiteren können einige Staudenarten jetzt im Herbst geteilt werden. Dafür wird die ganze Wurzel ausgegraben und vorsichtig geteilt. So wird erreicht, dass die Pflanze verjüngt und zugleich auch vermehrt wird.

Die Herbstzeit ist außerdem ideal dafür, um das Beet für den kommenden Frühling zu planen und Blumenzwiebeln zu setzen! Es ist Pflanzzeit für Gehölze, Zwiebeln und Knollen. Blumen, die sich dafür besonders gut eignen sind unter anderem Schneeglöckchen, Traubenhyazinthen, Wilde Narzissen und Wild-Tulpen. Diese frühe Aussaat ist besonders wichtig für Insekten wie die Biene. Schon zu Beginn des Jahres brauchen Bienen ein ausreichendes Nahrungsangebot, denn nur mit genug Nektar und Pollen kann das neue Bienenjahr erfolgreich beginnen! Kompost, Hornmehl oder Mist kann sowohl als Schutz, als auch als Dünger für das Beet verwendet werden. Wie Du selbst organische Abfälle zu wertvollem Humus machst, erfährst Du im bereits erschienen Beitrag Natürliches Upcycling – vom Abfall zum wertvollen Humus.

To-Dos vor dem Winter:

– Laub zu einem Haufen kehren
– Blätter aus dem Teich fischen
– Kübelpflanzen an einem sicheren Standort überwintern
– Kälteempfindliche Pflanzen z.B. mit Laub isolieren
– Stängel von Stauden nicht abschneiden
– Zwiebeln, Gehölze und Knollen für den kommenden Frühling säen

Die letzten Blüten

Im Herbst kann man auch noch die letzten blühenden Pflanzen genießen. Neben der ästhetischen Funktion haben diese aber auch noch eine wichtige Rolle für Insekten als letzte Nahrungsquelle vor der Winterruhe oder dem Winterschlaf. Dazu gehört unter anderem das Echte Leinkraut (Linaria vulgaris), welches von Mai bis Oktober blüht. Es bietet ein gutes Nektarangebot für Hummeln, Wildbienen oder Schmetterlingen mit längeren Rüsseln. Die Glattblatt-Aster (Aster novi-belgii) blüht von Oktober bis November und bietet ein reiches Angebot an Pollen und Nektar. Damit bietet sie Insekten überlebensnotwendige Energie vor dem Winter! Ende Juli bis Oktober blüht auch die Herbst-Anemone (Anemone hupehensis). Sie hat zwar keinen Nektar, aber viele Pollen. Zusätzlich sollten ihre Stängel im Winter stehen bleiben, da sie als gute Überwinterungsmöglichkeit von Insekten genutzt werden können. Der Gemeine Efeu (Hedera helix) blüht von September bis Oktober. Seine Blüten sind sehr nektarreich und daher eine großartige, späte Nektarquelle!

Wintergemüse

Nicht nur im Frühling, sondern auch im Herbst kann noch viel Gemüse angebaut und im Laufe des Winters geerntet werden. Dazu zählt zum Beispiel Rosenkohl, Radieschen, Mangold, Spinat und Rucola. Schnellwachsende Arten wie Blattgemüse oder Salat können direkt in das Freiland gesät werden. Wurzelgemüse wächst zwar langsam, kann aber schlecht umgepflanzt werden und sollte deshalb auch direkt gesät werden. Kohl, Sellerie und Lauch sollte vorgezogen werden, da sie eine lange Keim- und Kulturzeit haben. 

Wenn der Boden im Herbst noch warm ist, brauchen die Pflanzen noch ziemlich viel Wasser. Staunässe sollte dabei aber unbedingt vermieden werden! Auch die Blätter des Gemüses dürfen nicht ständig nass sein, da so Fäulnis und Pilzerkrankungen gefördert werden. Am geschicktesten ist es daher, morgens an sonnigen Tagen zu gießen und die Blätter dabei auszulassen. Dies gelingt gut, wenn die Pflanzen nicht zu eng gesät wurden. Sehr wichtig im Herbst ist außerdem das Ausputzen der Pflanzen. Absterbende Blätter sind eine gute Basis für Krankheitserreger wie Bakterien und Pilze und ziehen der Pflanze unnötige Energie.


Um den Boden frostfrei zu halten, kann Frostschutzvlies oder eine dicke Mulchschicht helfen. Wenn der Frost jedoch länger anhält, friert auch das Gemüse ein. Besser ist es daher, rechtzeitig zu ernten und das Gemüse richtig einzulagern. Salat, Spinat oder Radieschen bevorzugen dagegen einen Folientunnel, um vor den kalten Temperaturen geschützt zu werden. Der kann direkt nach der Aussaat oder Pflanzung aufgestellt werden. Noch besser ist es jedoch ihn erst aufzustellen, wenn längere Kälteperioden zu erwarten sind. Auch Glocken, Hütchen und mobile Kästen helfen dabei, Gemüse temporär bei Frost abzudecken. 

Du willst noch mehr wissen?

Neben den Arbeiten im Herbst, fallen das ganze Jahr über verschiedene Aufgaben in Deinem Garten an. Damit du immer den Überblick behältst, ist „Wächst das von allein – oder muss ich jetzt was machen?” von Thomas Heß (KOSMOS) ein treuer Begleiter durch das Gartenjahr. Auch „Mein Garten summt – Der Jahresplaner” von Simone Kern (KOSMOS) gibt einen Überblick über das ganze Jahr und spezialisiert sich dabei auf einen insektenfreundlichen Garten und Tricks um diesen zu erreichen. In „Wintergemüse anbauen: gute Planung – reiche Ernte” von Burkhard (GU Verlag) erfährst Du mehr darüber, wie Du durch gute Organisation und Planung einen ertragreichen Winter haben kannst!


Zuvor in dieser Blogreihe erschienen:

Kann das weg? – Der richtige Umgang mit Unkraut
Back to the roots – Erhalt alter Pflanzenarten
Lästige Gäste – So gelingt Schädlingsbekämpfung ohne Chemie
Natürliches Upcycling – vom Abfall zum wertvollen Humus
Aus grau mach’ bunt – mit den Waffen der Guerilla Gärtner
Viele Pflanzen, wenig Platz – So wird der Balkon vielfältig
Insektenhotels und Nisthilfen
Vom Boden bis zur Blüte – ein Insektenparadies entsteht
Grow wild – vom englischen Rasen zum Insektenparadies

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