Bienenwachs

Schon seit langer Zeit ist den Menschen die Nützlichkeit von Bienenwachs bekannt. Zu den frühesten Aufzeichnungen über den Gebrauch von Bienenwachs zählt ein 6.500 Jahre alter Zahn, der mit einer Füllung aus Bienenwachs repariert wurde. Aber auch für künstlerische Zwecke wurde Bienenwachs schon früh verwendet: Bereits im alten Ägypten wurden daraus Figuren von Gottheiten, Tieren oder Menschen hergestellt. Aber nicht nur in Ägypten, sondern auch im alten China und bei den australischen Ureinwohnern wurde mit Bienenwachs gearbeitet.

Auch heute ist dieses traditionsreiche Naturprodukt noch sehr beliebt und hat vielfältige Anwendungsweisen. Es wird z.B. für medizinische Salben, dem Imprägnieren von Leder, als Pflegemittel für Holzmöbel, als Rostschutz, für das Herstellen von Bienenwachstüchern, für Wachsmalstifte und in Süßigkeiten verwendet. Besonders gerne wird es für die Herstellung von Kerzen und Kosmetik, wie z.B. Lippenbalsam, Cremes und Seifen, genutzt.

Bienenwachs – was genau ist das eigentlich?

Abhängig vom Pflanzenangebot und dem gesammelten Nektar schmeckt der Honig jedes Bienenstandortes einzigartig und unterscheidet sich außerdem in Geruch, Konsistenz und Farbe. Und genauso variiert auch Bienenwachs: Bestehend aus rund 184 verschiedenen Komponenten – langkettige Kohlenwasserstoffe, Säuren, Ester, natürliche Polyester und Hydroxy-Ester – ist die spezifische Zusammensetzung abhängig von Bienen und Standort des Bienenstocks. 

Die aufwändige und energieraubende Herstellung

Honigbienen besitzen an ihrem Bauch acht Wachsdrüsen. Aus diesen schwitzen sie das Wachs in Form von feinen, durchsichtigen, geschmacksneutralen und brüchigen weißen Plättchen aus. Um daraus Waben zu bauen hängen die Bienen in Ketten zusammen und kneten die kleinen Plättchen mit ihren Hinterbeinen und Mundwerkzeugen solange durch, bis sie schön geschmeidig sind und für den präzisen Bau der Waben einsatzfähig ist. Während diesem Bauprozess werden automatisch auch kleine Pollen- und Nektarpartikel in das Wachs eingearbeitet. Diese Partikelchen und die Nahrung der Bienen beeinflussen sowohl Beschaffenheit als auch Farbe des Wachses.

Bienenwachsplättchen

Zuständig für diese Arbeit sind typischerweise junge Bienen zwischen dem 12. und 20. Lebenstag. Beginnt eine Honigbiene mit dem Sammeln von Nektar und Pollen, stellt sie die Wachsproduktion meistens ein. Die Fähigkeit dazu verliert sie aber nicht und das ist auch wichtig: Schwärmt ein Schwarm aus, so müssen die Bienen schnellstmöglich neue Waben bauen können – die Königin braucht einen Platz zum Eierlegen und es wird Platz für die Einlagerung von Nahrung benötigt.

Sind die Bedingungen gut und herrschen etwa 33 bis 36°C im Bienenstock, dann können große Mengen an Wachs produziert werden. Sind die Außentemperaturen dafür noch zu kühl, sammeln sich die Bienen um die fleißigen Baubienen herum an. So sorgen sie für die erforderliche Temperatur.

Die Produktion von Wachs erfordert sehr viel Energie: Für ein Pfund Wachs verbrauchen die Bienen rund 3,8 kg Honig. Bei Bedarf recyceln sie daher altes Wachs und bringen es einfach an der neuen Stelle, an der es jetzt benötigt wird, an.

Bienenwachsernte durch den Imker

Für die meisten Imker ist Bienenwachs eher ein Nebenprodukt der Honigverarbeitung: Die Bienen verdeckeln die, mit Honig gefüllten, Waben mit Wachs. Um den Honig aus den Waben zu bekommen, müssen diese daher erstmal entdeckelt werden. Der Imker verwendet dafür ein Spezialwerkzeug oder ein heißes Messer. Jetzt erst kann der Honig aus den Waben geschleudert werden – und das Wachs bleibt übrig.

Imkerwachs (Honigwabenwachs):
Das Bienenwachs ist in diesem Zustand noch stark verunreinigt. Die abgetrennten Wachsdeckel werden daher zuerst erhitzt. Bei diesem Vorgang verflüssigen sich die Bestandteile und es setzten sich zwei Schichten voneinander ab: eine Honig- und eine Wachsschicht. Um noch verbleibende Reste im Wachs herauszufiltern, wird das Wachs bis es sauber ist durch ein Seihtuch oder altes T-Shirt gesiebt. Das Ergebnis ist hellgelbes Wachs, das angenehm nach Honig riecht und als Imkerwachs oder auch Honigwabenwachs bezeichnet wird. Es sind noch Rückstände, wie z.B. Honig, im Wachs vorhanden. Für viele Verarbeitungsmöglichkeiten ist das so ausreichend, für manche braucht man allerdings reineres Wachs.

Imker nutzen ihr Wachs hauptsächlich als Bauhilfe für Ihre Bienen und lassen sie von professionellen Aufarbeitern in einem „offenen Wachskreislauf“ zu Mittelwänden umarbeiten. Der Imker erhält dabei nicht sein eigenes Wachs verarbeitet zurück,  Herkunft und Qualität sind daher unklar. Problematisch ist das insbesondere in Bezug auf Rückstände von Medikamenten und Pflanzenschutzmittel oder Verunreinigungen durch Wachsalternativen.

Brutwabenwachs:
Brutwaben werden bei fortlaufender Nutzung immer kleiner, denn es setzen sich Larvenhäutchen, Propolis und andere organische Stoffe darin ab. Um das Wachs von alten Brutwaben wiederverwenden zu können, ist ein aufwändiger Filterprozess notwendig. Und trotzdem lässt sich dadurch kaum eine Aufhellung erreichen: Das Wachs hat aufgrund der vielen Rückstände einen dunklen Braunton. Zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten gibt es selbstverständlich trotzdem. Das dunkle Brutwabenwachs eignet sich beispielsweise zur Politur von dunklem Holz oder Schuhen.

Kerzenwachs:
Um aus Bienenwachs Kerzen herzustellen, darf das Wachs möglichst keine Rückstände mehr aufweisen, denn sonst brennen die Kerzen sehr unregelmäßig ab. Die Basis für Kerzenwachs ist daher Honigwabenwachs, bei dem der Filterprozess einige Male wiederholt wird. Am Ende ist das Wachs hellgelb und weist den, für Bienenwachs, typischen Honiggeruch auf.

Die Herstellung von Kerzen aus Bienenwachs ist einfach und auch gut geeignet für einen Basteltag mit Kindern. In unserem Blog findest Du eine DIY Anleitung für Bienenwachskerzen.

Bienenwachskerze

Weißes Wachs:
Mit industriellen Verfahren lässt sich Bienenwachs so fein filtern, dass es fast weiß und transparent wird. Dabei werden jedoch die natürlichen Inhaltsstoffe entfernt: Das Wachs verliert seine charakteristische Farbe, den Geruch und die Eigenschaften. Weißes Wachs nutzt man zum Beispiel für Enkaustik, das Malen mit heißem Bienenwachs, das mit Farbpigmenten versetzt wird. Mit gelbem Kerzenwachs lassen sich nur mäßige Ergebnisse erzielen, die Farben werden verfälscht und das Wachs verläuft nicht ordentlich genug.

Enkaustik


Bild 1: Waugsberg – creation of way by bees (CC BY-SA 3.0)

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